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Von Daniel Kestenholz, Bangkok
21.06.2012

Der Fluch der Ein-Kind-Politik

Empörung über späte Zwangsabtreibungen in China

Fotos von Feng Jianmei im Krankenbett verbreiteten sich wie ein Lauffeuer im Internet. Die hochschwangere 23-Jährige war von den Behörden verhaftet und für eine Zwangsabtreibung ins lokale Krankenhaus gebracht worden. Fotos zeigten eine erschöpfte Feng im Bett. Neben ihr lag das im 7. Monat abgetriebene, tote Körperchen. Das Vergehen der jungen Frau? Verstoß gegen Chinas strikte Ein-Kind-Politik. Ihre Familie war zu arm, um die Buße von 40 000 Yuan zu bezahlen, umgerechnet 6300 Dollar, ein mehrfaches Jahresgehalt.

Beamte hatten Fengs Haus umstellt. Sie versuchte zu fliehen, hatte keine Chance. Durch China ging ein Aufschrei der Empörung. Die Verantwortlichen der lokalen Familienplanungsbehörde wurden suspendiert und Vizebürgermeister Du Shouping persönlich eilte ins Krankenhaus von Ankang, um sich bei Feng und ihrem Ehemann zu entschuldigen. »Im Namen der Stadtregierung besuche ich euch heute, um unsere tiefste Entschuldigung auszudrücken«, sagte er. »Ich hoffe, wir können auf eure Vergebung zählen.«

Der öffentliche Kotau aber war erst auf Druck aus der Bevölkerung und seitens der betroffenen Familie erfolgt. Deng Liyuan, Fengs Mann, hatte auf Chinas Twitter-Pendant Sina Weibo Details über die Zwangsabtreibung veröffentlicht. »Während wir ins Krankenhaus eilten«, schrieb er, »wurde meine Frau dazu gezwungen, mit Fingerabdrücken ein Dokument zu signieren. Sie hielten sie gewaltsam nieder und spritzten ihr ein Gift, das die Abtreibung auslöste.« Feng, die sich zu wehren versuchte, ist kein Einzelfall. Doch ungewöhnlich ist, dass ihr Schicksal an die Öffentlichkeit gelangte. Vergangene Woche war Fengs Abtreibung der populärste Suchbegriff auf Sina Weibo.

Ein Leitartikel der englischsprachigen, der Partei gehörenden Global Times forderte, die »erzwungene Abtreibung von späten Schwangerschaften zu verurteilen und zu verbieten«. Provinzregierungen führen routinemäßig späte Zwangsabtreibungen und auch Sterilisierungen durch, um von Peking vorgegebene Quoten zur Einhaltung der Ein-Kind-Politik durchzusetzen. Weist ein Gebiet zu hohe Kinderraten auf, können Parteikadern Boni und Beförderungen gestrichen werden. Selbst Fälle von Abtreibungen in den letzten Wochen vor der geplanten Entbindung sind dokumentiert.

Für die städtische Mittelschicht und Chinas Reiche sind die Strafen zahlbar, nicht aber für die Provinzbevölkerung, deren Ersparnisse in den wenigsten Fällen für ein zweites Kind ausreichen. Menschen sind einem System ausgeliefert, das oft willkürlich über sie verfügt. Besagte Familie hatte bereits eine fünfjährige Tochter. Wenn das erste Kind eine Tochter ist, wird Familien vom Lande gewöhnlich ein zweites Kind erlaubt. Nicht aber der 23-jährigen Feng und ihrem Mann.

Jetzt erhält das geschädigte Ehepaar Hilfe von Juristen, die gegen den Staat klagen wollen. »Eine im 7. Monat schwangere Frau zur Abtreibung zu zwingen ist ein schlimmer Verstoß gegen das Gesetz«, so Anwalt Zhang Kai.

Plötzlich dringen weitere Fälle an die Öffentlichkeit, so das Schicksal der 38-jährigen Ma Jihong aus Lijin, im 6. Monat schwanger, die eines Morgens von zehn Beamten der Familienplanungsbehörde überrascht wurde. Ihre Tochter erinnerte sich später, der Vater habe die Beamten noch mit fuchtelnden Armen aufzuhalten versucht. Ma zwängte sich durch einen Spalt im Zaun und rannte in Richtung Hauptstraße. Auch sie wurde geschnappt und ins Krankenhaus gebracht. »Wenige Stunden später war meine Schwiegertochter tot«, sagte ihre Schwiegermutter Gao Hongying.

Zwangsabtreibungen und auch -enteignungen zählen zu den Hauptklagen von Provinzbewohnern gegen die Obrigkeit. Besonders Menschen auf dem Land wünschen zwei Kinder. Eines soll einen Beruf lernen und Geld verdienen, das andere sich um die Familie sorgen. Dafür sind viele bereit, tief in die Tasche zu greifen.

Schätzungen zufolge hat Chinas vor vier Jahrzehnten eingeführte Ein-Kind-Politik etwa 400 Millionen Geburten verhindert.

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