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25.06.2012

Bittere Realität

Kommentar von Fabian Lambeck

Von der Öffentlichkeit wenig beachtet, trafen sich die deutschen Tafeln am Wochenende zu ihrem Bundestreffen im thüringischen Suhl. Die in diesem Zusammenhang verbreiteten Zahlen lassen aufhorchen: Mittlerweile gibt es bundesweit 891 dieser Einrichtungen, in denen unverkäufliche Lebensmittel an Bedürftige verteilt werden. Die ehrenamtlich organisierten Tafeln haben sich zu einer Art Schatten-Konzern entwickelt: Etwa 50 000 Helfer versorgen rund 1,5 Millionen Menschen.

Die Zahlen sind auch ein Beleg für die Durchlässigkeit des sozialen Netzes in Deutschland. Ursprünglich waren die Tafeln nur für Obdachlose gedacht. Doch mit den Hartz-Reformen vergrößerte sich auch der Kundenstamm, wie ein Blick auf die Statistik belegt. Seit 2003 hat sich die Anzahl der Tafeln verdreifacht. Wenn man so will, dann fangen die Einrichtungen jene auf, deren Regelsatz nicht für eine gesunde Ernährung reicht. Wie soll man etwa ein Kind vernünftig versorgen, wenn dafür pro Tag weniger als drei Euro zur Verfügung stehen? Mehr Geld ist im Hartz-IV-Satz dafür nicht vorgesehen.

So müssen viele den bitteren Gang zu Tafel antreten. Dort erhalten sie Lebensmittel, die nicht mehr frisch genug sind, um sie an zahlungskräftige Kundschaft zu verkaufen. Die Discounter »spenden« gern, sparen sie doch die Kosten für die Entsorgung der Ware. Kritiker der Tafel bemängeln zurecht, dass dieses System die Armut nicht bekämpft, sondern zementiert. Milde Gaben milliardenschwerer Konzerne statt Umverteilung - bittere Realität in der Bundesrepublik des Jahres 2012.

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