28.06.2012

Viel Arbeit für die NADA

Geldnot erschwert den Antidopingkampf

Der Antidopingkampf wird in Deutschland derzeit an mehreren Fronten ausgetragen: Causa Erfurt, WADA-Streit, Olympiastützpunkt (OSP) Saarland, Finanzierungslücke. Einfach haben es die Vorstandsvorsitzende der Nationalen Antidoping-Agentur NADA, Andrea Gotzmann und ihr Vorstandskollege Lars Mortsiefer, jedenfalls nicht. »Luft nach oben« sieht Mortsiefer - fast überall.

Da wäre der Fall des Erfurter Sportarztes Andreas Franke, der Spitzenathleten eine Blutbehandlung verabreichte, die von der NADA als verboten eingestuft wird - nicht erst seit 2011 wie von der Weltagentur WADA. Die Deutschen klagen in einem Fall vor dem hiesigen Sportschiedsgericht (DIS) und hoffen auf eine Verurteilung. Kommt diese, droht eine Prozesslawine eventuell gar gegen für Olympia in London nominierte Athleten. »Wir sind an schnellstmöglicher Durchführung der Verfahren interessiert«, so Gotzmann.

Ob das DIS aber im Sinne der NADA entscheidet, ist fraglich. Selbst beim eindeutig scheinenden Fall des Radprofis Patrik Sinkewitz stand das Gericht nicht auf Seiten der Agentur, da es die Validität der Nachweismethode für das Wachstumshormon nicht als erwiesen sah. »Leider hat uns da die WADA nicht unterstützt«, sagt Gotzmann, die den Fall nun vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS bringt. »Aber es war auch unüblich, dass das Gericht Gutachten von Experten infrage stellte.«

Beim Streit mit der WADA scheinen sich die Wogen derweil zu glätten. So ist ein Treffen mit Generaldirektor David Howman angesetzt, der den Bonnern vorgeworfen hatte, wichtige Informationen nicht weitergegeben zu haben. »Da gab es Wissenslücken«, kontert Gotzmann nun.

Im Saarland sieht Mortsiefer »keine Anhaltspunkte für strafbare Verstöße von Athleten«. Ein Honorarprofessor des OSP wurde kürzlich mit einem Dopingdealer in Verbindung gebracht. An einer anderen Kritik hält Chefin Gotzmann jedoch fest. Bundesländer und Wirtschaft müssten endlich wie geplant die Finanzierungslücke der NADA schließen: »Wird das Loch von 1,35 Millionen Euro nicht gestopft, müssen wir die Kontrollen reduzieren.«

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken