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Von Michael Müller
30.06.2012

Wo Paulus landete und Hippokrates heilte

Griechische Ägäis: Insulaner lassen sich durch deutsche Medien und Politik nicht beirren: »Wir mögen die Deutschen«

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Paulusbucht von Lindos

»Paulus war hier, und ich bin jetzt mit Pawel hier. Und der Stein, auf dem ich hier stehe, ist 2500 Jahre alt.« Irina Berbatowa aus Samara, dem einstigen Kuibyschew, 26 Jahre alt, das zweite Mal mit ihrem Mann Pawel im Urlaub auf einer Auslandsreise, ist hingerissen vom Geist des Ortes, der Akropolis von Lindos auf der griechischen Ägäisinsel Rhodos. Und um das alles für sich, Pawel, ihre Um- und Nachwelt festzuhalten, hat sie sich eine Fotoinszenierung ausgedacht: sie, mit einer Art Peplos bekleidet, den es in den Souvenirläden gibt, am Tempelrand auf einem Säulenstumpf stehend. Pawel kann drei, vier Mal abdrücken, dann kommt ein Angestellter der Museumsaufsicht und macht dem privaten Fotoshooting ein Ende: »Sapreschtschjonyi!«, sagt er auf Russisch und fügt noch höflich ein »Poshaluista!« hinzu.

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Keramikerin Eleftheria Papageli töpfert in Archangelos auf Rhodos.

*

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Historiker Argyris Marneros erklärt das Asklepieion auf Kos.

Russinnen und Russen sind in Griechenland seit einigen Jahren die Touristengruppe mit den höchsten Zuwachsraten. »2011 waren es erneut plus 45 Prozent, damit rücken sie in die Spitzengruppe mit Engländern, Deutschen, Italienern. Und in diesem Jahr geht das bisher munter weiter«, sagt Charalampos Palogiannidis, Chef der Tourismusfördergesellschaft von Rhodos. Man hat sich hier längst auf diese noch relativ neuen, aber »sehr zahlreichen und auch zahlungskräftigen Gäste«, wie Herr Palogiannidis meint, eingestellt. Sprachlich auf den Speisekarten, an den Hotelrezeptionen. Auch im Handel. Besonders bei Schmuck sowie Pelzen und Pelzbekleidung, deren Geschäfte überall mit »mecha und schuby« locken; eine Werbung, die man hier überhaupt nur in Russisch zu lesen bekommt. Einen Pelz mag Irina aber nicht, einen goldenen Ring hat sie aber schon. Die beiden jungen Leute wollen in ihren zwei Wochen vor allem die Insel historisch weiter erkunden und natürlich Wasser und Sonne genießen.

Historisch gesehen ist Lindos an der Ostküste ein besonderes Kleinod. Hier begann in der mykenischen Epoche, also etwa 1200 Jahre v.d.Z. die Besiedlung der Insel. Mit neun Schiffen habe die Stadt am Trojanischen Krieg teilgenommen, heißt es bei Homer in der »Ilias«. Später wurde auf dem damals uneinnehmbaren Felsen die Akropolis mit dem Athene-Tempel erbaut. Als besonders prominente Gäste verweisen Mythen und Annalen auf Herakles, auf die schöne Helena nebst Gatten Menelaos, auf Alexander den Großen. Die klugen archaischen Schiffsleute von Lindos entwarfen das so genannte rhodische Seerecht, das, von den Römern später übernommen, noch heute die Grundprinzipien des internationalen Seerechts prägt.

Schließlich soll der Apostel Paulus bei einer, nämlich seiner dritten Missionsreise um 53 u.Z. in einer der beiden Buchten zwischengelandet sein. Wer weiß, vielleicht hat er ja gerade hier die Idee gehabt, künftig nicht nur Juden, sondern allen Menschen Zugang zum Christentum zu ermöglichen - eine Idee, die später einmal die Entwicklung zur Weltreligion ebnete. Und natürlich waren im Spätmittelalter auch die Kreuzritter hier.

Und alle haben und alles hat bis heute seine beeindruckenden Spuren in Lindos hinterlassen. Sehr übersichtlich auf nur etwa zwei Quadratkilometern, zu Fuß gut erreich- und erschließbar. Ausklingen lassen sollte man so einen zeitraffenden Gang durch Jahrtausende europäischer Gründungsgeschichte am Abend am besten in einer Lokalität wie Caesar's Mediterranean Cuisine, direkt unterhalb der Akropolis, aber über den Dächern der quirligen Altstadt von Lindos gelegen. Vielleicht bei einem großen Garnelenteller mit Safrandressing, gutem Landbrot und feinem Getränk.

*

Derzeit lassen es sich wie gesagt besonders Briten, Italiener und Russen dabei gut gehen. Natürlich auch Deutsche. Immerhin machten sie 2011 ein Viertel der rund 1,3 Millionen Urlauber auf Rhodos aus. Für dieses Jahr allerdings verzeichnen große deutsche Reiseveranstalter bis zu 40 Prozent weniger Griechenlandbuchungen. Auch für Rhodos. Andonis Cambourakis, Präsident des insularen Hotelverbandes, schüttelt den Kopf. »Wir sind nicht nur professionell gastfreundlich, sondern uns liegt Gastfreundschaft im Blut. Seit Jahrzehnten waren Deutsche zufriedene, glückliche Gäste. Und das soll nun nach ein paar bösen Fernsehbildern aus Athen plötzlich vorbei sein?«

Ursache für die Flaute ist indes nicht die unlängst zwischen Syntagma- und Omoniaplatz in Athen von Demonstranten abgefackelte Deutschlandfahne. Vielmehr war dies eine verbitterte Reaktion nach monatelangem medialen Trommelfeuer vieler deutscher Medien auf die vermeintlich faulen und betrügerischen Griechen. Erst dieser Tage hämte und drohte das Boulevardblatt mit den größten Buchstaben wieder in Richtung Hellas: »Aus Euren Geldautomaten kommen nur deshalb noch Euros, weil wir sie reinstecken... Bringt Eurer Land auf Vordermann... Wenn Ihr das nicht wollt, wollen wir auch nicht mehr...«

Solch eine Stimmungsmache gegen d i e Griechen hat Spuren in so manchem deutschen Touristenkopf hinterlassen. Und die bornierte Reaktion provoziert, »zur Strafe« nicht mehr dorthin in den Urlaub zu fahren. Besonders die großen deutschen Reisekonzerne versuchen da gegenzusteuern. Die TUI hatte gerade in mehreren Durchgängen Hunderte Reisebüroexpedienten zu Schulungen und zum Vor-Ort-Kennlernen dort unten. Von ihnen war auch zu erfahren, was die deutschen Kunden zu Hause derzeit so an Vorbehalten mit ins Reisebüro bringen: »Wir tragen denen doch jetzt nicht noch unser Geld hin.« - »Die machen es sich doch jetzt unter unserem Rettungsschirm richtig gemütlich. Sollen sie, aber ohne uns.« - »Da brennt der Hass auf Deutsche, in solch eine vergiftete Atmosphäre fahren wir nicht.«

*

Ist aber die Atmosphäre in Griechenland etwa tatsächlich deutschskeptisch bis -feindlich? Die Reisebüromitarbeiter zeigten sich zum Abschluss weitgehend davon überzeugt, dass Griechenlandurlaub nicht nur höchst empfehlenswert, sondern auch eine so wichtige Wirtschaftshilfe ist. Christos Karagiannis, Juniorchef eines kleinen Restaurants in Kefalos, der einstigen Hauptstadt der Ägäisinsel Kos, rund 150 Kilometer nördlich von Rhodos, beschwört den Reporter geradezu. »Wir mögen die Deutschen. Nicht etwa nur als Touristen, an denen sich verdienen lässt. Vor allem auch deshalb, weil sie Sinn für unsere Kultur haben, unsere Lebensweise und Natur schätzen.«

Davon gibt es auch auf Kos überreichlich. Herrliche Strände, grün gebettete sanfte Hügel und schroffe Felsen, im Osten wie zum Greifen nahe (und mit der Fähre auch schnell zu erreichen) Kleinasien, folkloristische Attraktionen und historische Kleinode. Vor allem das Asklepieion, ein einst dem Äskulap, dem Gott der Heilkunst, geweihtes Heiligtum, das auch eine gewaltige antike Klinik gewesen ist. Hier hat kein Geringerer als Hippokrates gewirkt.

Der Genius loci lässt einen da ehrfurchtsvoll erschaudern. Dieses Gefühl kennen Griechenlandreisende seit Jahrhunderten. Friedrich Schiller fasste es in das Apercu, dass in Hellas alles an europäischer Kultur zuerst da gewesen ist. Und er verband das mit seiner geradezu klassischen Empfehlung: »Nehmt euch zu Mustern die Griechen: nehmt sie zur Hand bei Nacht und bei Tag!«

Der pensionierte Historiker Argyris Marneros, der Touristen gern und engagiert das Asklepieion nahe zu bringen versucht, meint schlicht: »Europa ohne Griechenland, ist wie ein Kind ohne Geburtsurkunde.« Und angesichts der nach über zweieinhalb Jahrtausenden etwas lädierten Bausubstanz sowie mit Blick auf die aktuelle Situation fügt er weise hinzu: »Auch die gebrochenen Statuen haben ihren Reiz. Und vielleicht sind es gerade sie, die uns allen am meisten ähneln.

  • alle Reisebüros mit TUI-Angebot. TUI, Karl-Wiechert-Allee 23, 30625 Hannover, Tel.: 0511 567-0, Fax.: -1301, www.tui-deutschland.de
  • www.rodosisland.gr, www.kos-island.org
  • nd-Leserreisen, Dr. Irene Kohlmetz/ Frank Diekert, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, Tel: (030) 29 78 - 1620, - 1621, Fax: - 1650, leserreisen@nd-online.de, www.neues-deutschland.de/leserreisen
  • Klaus Böting: Marco Polo, Griechische Inseln, Ägäis, Mairdumont, 2011, 148 Seiten, 9,95 Euro.

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