Kai Althoetmar 03.07.2012 / Ausland

Europas weißer Fleck

Nordzypern hat sich der Welt geöffnet – und zeigt, dass es mit der Teilung der Insel leben kann

Während der südliche Teil Zyperns mit der Übernahme der Ratspräsidentschaft der EU und der Beantragung von Finanzhilfen bei der Staatengemeinschaft in den letzten Tagen in die Schlagzeilen geriet, wird der Norden der Insel links liegen gelassen. Die Teilung scheint zementiert.

Der Yachthafen von Girne.
Grenzübergang Ledra Street. Hier trifft Lefkosa auf Nikosia, Zyperns Norden auf den Süden der geteilten Insel. Bis 2008 endeten Nikosias Fußgängerzone und Lefkosas Altstadtlabyrinth noch als martialisch bewachte Sackgassen, hinter denen Häuser im Niemandsland der UN-Pufferzone verfielen. Heute gibt es ein Nadelöhr für Grenzgänger, statt Soldatenunterstände Containerbuden und adrette Grenzbeamte. Nordzyperns Staatsdiener setzen an den Übergängen Ausreisestempel in den Pass. 30 Meter weiter, im Südteil, mag niemand den Pass sehen, denn nach offizieller Lesart ist der Norden Teil der Republik Zypern. Doch die Teilung ist im Stadtbild auf den ersten Blick zu erkennen. Teestuben, Marktstände mit gefälschten Markenklamotten, Moscheen, Gewürzläden und Wettbüros in Lefkosa, McDonald's, Starbucks und die Filialen der westlichen Modewelt in Nikosia. Grenzöffnung hin oder her – Westeuropäer meiden Nordzypern bislang. Zwar besuchen jährlich über 400 000 Touristen den Inselnorden, drei Viertel davon sind aber Türken. Wer nicht aus der Türkei kommt, hat eine beschwerliche Anreise zu den zahlreichen Hotelanlagen in Girne (Kyrenia). Wegen des Embargos gegen die 1983 proklamierte »Türkische Republik Nordzypern«, die außer der Regierung in Ankara kein Staat der Welt anerkennt, gibt es keine Direktflüge. Umstieg in Istanbul und stundenlanges Warten auf den Anschlussflug sind Pflichtprogramm.Einer, der die Teilung gern überwunden sähe, ist Mehmet Erdogan. Der gebürtige Nordzyprer aus Girne organisiert für eine Nichtregierungsorganisation in Lefkosa »grenzübergreifende Friedens- und Verständigungsprojekte«. Die europäische Union sei naiv gewesen. »Sie hatte dem Süden schon vor dem Referendum den EU-Beitritt zugesichert – egal, ob es zur Wiedervereinigung kommt«, sagt der 26-Jährige. Und so stimmte der Süden, die EU-Mitgliedschaft bereits in der Tasche, im Jahr 2004 gegen den Annan-Plan zur Wiedervereinigung. Dem Süden sei die Einheit zu teuer, ist immer wieder zu hören. Zu viel würde es kosten, die Brüder im Norden aufzupäppeln.

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