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04.07.2012

Ist Erspartes in der Eurokrise noch sicher?

Vertrauen der Bürger in den Euro bricht ein

Griechenland-Desaster, Bankpleiten in Spanien und Eurokrise: Immer mehr Menschen fragen sich besorgt, ob ihr Erspartes noch sicher ist. In diesem Jahr ist das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung Euro dramatisch eingebrochen. Eine deutliche Mehrheit von 55 Prozent der Bundesbürger ist der Auffassung, die Bundesrepublik hätte besser die D-Mark behalten. Das ergab der aktuelle Deutschlandtrend von Infratest Dimap.

Diese Umfrage ergab auch: Fast ebenso viele Befragte sehen in der Gemeinschaftswährung persönliche Nachteile. 78 Prozent der Befragten sind beunruhigt. Die Mehrheit sorgt sich konkret um ihre Ersparnisse. Dennoch: Hierzulande muss niemand Angst um sein Erspartes haben. Eine absolute Sicherheit gibt es natürlich nicht, doch in der Praxis sind die meisten Banken und alle Sparkassen sicher. Voraussetzung ist allerdings, dass man das Ersparte sicherheitsorientiert, vernünftig und solide anlegt.

Doppeltes Sicherheitsnetz schützt vor finanziellen Verlust

Sicherheit verspricht gleich ein doppeltes Sicherheitsnetz. Da ist zunächst das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG), mit dem vor drei Jahren eine EU-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt wurde. Seit 2011 wird Erspartes sogar bis zu einem Betrag von 100 000 Euro gesetzlich garantiert. Diese Summe dürfte für die meisten Sparer ausreichen, um sich vollkommen sicher zu fühlen. Die Auszahlungsfrist für das angesparte Geld betrüge in einem Notfall höchstens dreißig Arbeitstage. Dies ist das erste Sicherheitsnetz, welches unser Erspartes vor Schäden schützt.

Noch weit über diese gesetzliche Mindestsicherung hinaus reichen seit langem die Sicherungsnetze der drei großen Bankengruppen in Deutschland - private Banken, Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Girokonten, Sparbücher und andere gängige Geldeinlagen sind in Deutschland daher eine höchst sichere Sparanlage. Geschützt sind zudem Namensschuldverschreibungen. Das sind Wertpapiere, die auf den Namen des Sparers ausgeschrieben sind.

Anders sieht es dagegen bei Verbindlichkeiten aus, über die eine Bank Inhaberpapiere ausgestellt hat. Das sind die meisten Wertpapiere, beispielsweise Bankanleihen, Inhaberschuldverschreibungen und Zertifikate. Solche Produkte sind bei einer Bankpleite im Regelfall nicht abgesichert.

Die Geldinstitute sind gesetzlich verpflichtet, ihre Kunden über den bestehenden Einlagenschutz zu informieren. Dies erfolgt in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen, in den Vertragsunterlagen und im Preisaushang in jeder Filiale. Außerdem müsste jeder Bankberater nähere Informationen über den Schutz der Spareinlagen geben können.

Beiträge für über 170 Mitgliedsbanken erhöht

Die Einlagensicherung des Bundesverbandes deutscher Banken hielt der Krise stand. Doch die Dämme drohten zu brechen, als immer mehr Mitgliedsinstitute seit dem Sommer 2007 - nach dem Platzen einer Immobilienblase in den USA - in ernste Schwierigkeiten gerieten. Der Fonds musste sogar auf eine Bürgschaft des staatlichen Rettungsfonds Soffin über sieben Milliarden Euro zurückgreifen. Zudem wurden die Beiträge für die über 170 Mitgliedsbanken erhöht.

Die bisherige Garantieregel sichert jeden Kunden bis zu 30 Prozent des Eigenkapitals einer Bank ab. Da eine Bank in Deutschland mindestens fünf Millionen Euro Eigenkapital haben muss, liegt die unterste Sicherungsgrenze bislang bei 1,5 Millionen Euro. Die privaten Institute wollen in den kommenden Jahren den formalen Schutz für das Ersparte ihrer Kunden zurückfahren, aber auch dann blieben pro Sparer Hunderttausende Euro garantiert.

Was ist mit dem Hilfsfonds der Volks- und Raiffeisenbanken?

Ruhig durch die Krise fuhr die älteste Sicherungseinrichtung, der Hilfsfonds der genossenschaftlichen Volks- und Raiffeisenbanken. Er wurde bereits während der ersten Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren gegründet. Die Genossen setzten damals wie heute auf die Insolvenzsicherheit ihrer Institute: Droht eine ihrer Banken Pleite zu gehen, springt ein Garantiefonds ein, und dieser sichert das Überleben des angeschlagenen Kreditinstitutes. Die Sicherungseinrichtung des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken schützt dadurch indirekt alle Einlagen der Kunden in vollem Umfange.

Lediglich bei einem Zusammenbruch des gesamten Genossenschaftswesens mit seinen 1123 Kreditinstituten könnte dieser sogenannte Vollkaskoschutz ins Wanken geraten.

Dieser Vorbehalt gilt selbstverständlich ebenso für alle Sparkassen. Auch der Sparkassensektor zielt mit seinem Haftungsverbund auf das Überleben aller seiner 426 Kreditinstitute ab. Dadurch genießen - wie bei den Genossenschaftsbanken - sämtliche Spargroschen ebenfalls Vollkaskoschutz.

Zudem: Ältere Einlagen bei Sparkassen sind sogar noch zusätzlich durch eine staatliche Gewährträgerhaftung geschützt, mit der die Gemeinden und die Städte bis Juli 2005 für ihre Sparkassen und Landesbanken geradestanden.

Für die Sparer aber zwei Seiten einer Medaille

Trotz des doppelten Sicherheitsnetzes gibt es keinen absoluten Schutz vor Verlusten. So zehrt die Eurokrise auch an den Ersparnissen. Denn die Zentralbanken reagieren mit extrem niedrigen Leitzinsen, und diese geben Banken und Sparkassen an ihre Kunden weiter. Darum ist es zurzeit für Verbraucher kaum möglich, Geld zu einem Zinssatz anzulegen, der über der allgemeinen Preissteigerungsrate von rund zwei Prozent liegt.

Aber auch diese Medaille besitzt eine Kehrseite: Von den niedrigen Zinssätzen profitieren diejenigen, die Schulden machen und einen Kredit beispielsweise für den Bau eines Eigenheims aufnehmen.

HERMANNUS PFEIFFER

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