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Von Christin Odoj
04.07.2012

Stromsparen für den Atomausstieg

Greenpeace-Studie: Energiewende lässt Preise nur leicht ansteigen

Der beschlossene Atomausstieg kommt nicht ohne Diskussion um steigende Strompreise aus. Die Umweltorganisation Greenpeace will mit einer gestern vorgestellten Studie die Teuerungsszenarien entschärfen.

n heute bezahlen Verbraucher rund 40 Prozent mehr für ihren Strom als noch vor sieben Jahren. »Der Atomausstieg beeinflusst den Strompreis kaum«, lautet nun auch die zentrale Botschaft einer Studie, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Umweltorganisation Greenpeace durchgeführt hat und am Dienstag in Berlin vorstellte. Zwar werden sich die Strompreise weder stabilisieren, geschweige denn fallen, aber der Atomausstieg werde sich nur minimal auf den Großhandelsstrompreis auswirken, heißt es. Bei Energie aus Kohle oder Gas dagegen stiegen die Kosten weiter. »Ohne die Energiewende würde die Preisexplosion noch viel höher ausfallen«, sagte die Leiterin des Bereichs Energie, Verkehr und Umwelt beim DIW, Claudia Kemfert.

Allerdings spielt bei den Berechnungen des DIW ein konstant bleibender Stromverbrauch und die Umsetzung der Energieeffizienzpolitik eine entscheidende Rolle, letztere müsse erheblich ambitionierter vorangehen als bisher, um die Teuerung niedrig zu halten, warnte Niklas Schinerl, Energieexperte von Greenpeace. Nicht der Energiewende sei deshalb der »schwarze Peter« für steigende Preise zuzuschieben, sondern die Bundesregierung habe »ihre Hausaufgaben im Bereich der Effizienzpolitik einfach nicht gemacht«. Greenpeace forderte in diesem Zusammenhang ein nationales Energiespargesetz.

Das DIW hat für seine Studie zwei unterschiedliche politische Entscheidungen der letzten Jahre herangezogen. So bildete sowohl die 2010 beschlossene Laufzeitverlängerung der AKW als auch der 2011 durchgesetzte Atomausstieg eine Berechnungsgrundlage. Letzterer hält den Vergleich zur Laufzeitverlängerung nur dann stand, wenn Deutschland erfolgreich Energie einspart. Im Jahr 2020 könnte so ein Strompreis von 5,1 Cent pro Kilowattstunde (kWh) erreicht werden. Bei längeren AKW-Laufzeiten und ohne Einsparungen ergebe sich derselbe Wert.

Sollte die Energiesparpolitik der Bundesregierung keine großen Fortschritte machen, ist insgesamt mit einem Preisanstieg von bis zu 0,6 Cent pro kWh zu rechnen, heißt es in der Studie. Erst ab dem Jahr 2030 könnte sogar ein Preisvorteil gegenüber der ursprünglich von Schwarz-Gelb angedachten Laufzeitverlängerung entstehen. Begleitet von Einsparungen würde die Kilowattstunde im Großhandel an der Leipziger Strombörse dann 6,5 Cent kosten. Wären die AKW auch nach 2022 noch am Netz und gebe es keine Sparbemühungen, wären es jedoch sieben Cent.

Erst kürzlich hatte der Rat für nachhaltige Entwicklung heftige Kritik an der Regierung wegen der lahmen Umsetzung der Energiesparmaßnahmen geübt. Weder die dringend notwendige Gebäudesanierung noch der europaweite Handel mit Emissionsrechten sei erkennbar vorangekommen, beschwerte sich der Generalsekretär des Rates, Günther Bachmann. Die niedrigen Preise für Emissionszertifikate und ein Überangebot auf dem europäischen Markt böten der Industrie derzeit keine Anreize, ihren Verbrauch zu senken, warnte Claudia Kemfert.

Der Börsenpreis, an dem sich die Berechnungen des DIW orientiert, macht allerdings nur etwa 35 Prozent der Stromrechnung in Privathaushalten aus. Wichtige Kosten wie die EEG-Umlage, mit der erneuerbare Energien gefördert werden, sowie Netzentgelte, die wegen des Baus neuer Stromtrassen deutlich steigen dürften, sind in der Studie nicht enthalten. »Hier wird es zusätzlich Steigerungen geben«, gab Kemfert zu bedenken.

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