Von Peter Sonntag
04.07.2012

Antifa outet Nazi-Technikfachmann

Hamburger Betreiber einer Computerfirma soll seit Jahren braune Websites betreiben - trotz angeblichem Szeneausstiegs

Wann gilt ein Nazi glaubhaft als aus der rechten Szene ausgestiegen? Zumindest nicht, wenn er zwar seinen Ausstieg auf das Jahr 2008 datiert, aber bis vor kurzem noch wichtige Infrastruktur für Nazis im Netz zur Verfügung gestellt hat.

Der Hamburger Robert M. ist ein Nazi. Antifagruppen »outeten« gestern den Computerfachmann aus der Hansestadt. Heißt, sie machten ihre Rechercheergebnisse der Öffentlichkeit bekannt. Den Angaben nach ist M. einer der wichtigsten Computertechniker der braunen Szene im deutschsprachigen Raum.

Aufgefallen war M. im Rahmen eines Prozesses gegen drei österreichische Neonazis: In Wien stehen seit Mitte März Gottfried Küssel, Felix Budin und Wilhelm Christian Anderle wegen »Wiederbetätigung« im Sinne des österreichischen NS-Verbotsgesetzes von 1947 vor Gericht. Sie werden beschuldigt, das Internetblog »alpen-donau.info« betrieben zu haben, das bis zu seiner Schließung durch die Behörden 2011 als wichtigstes Sprachrohr österreichischer Neonazis galt - und das auf einem Server lag, der Robert M. gehörte. Die Staatsanwaltschaft nannte M. als Host von 45 weiteren braunen Internetseiten - heißt: er stellte Speicherplatz zu Verfügung.

Der Österreicher Anderle erwähnte überdies im Laufe des Prozesses, dass er Mitbegründer des Verschlüsselungsdienstleisters »Perfect Privacy« sei - zusammen mit Robert M. Er ist Vorstand des Hamburger Vereins »Attraktor e.V.«, der in seinen Räumen den Hamburger Chaos Computer Club (CCC), Schlossknacker und generell »Technikbegeisterte« versammelt.

Schon vor den Vorstandswahlen Mitte Juni hätten sie den CCC auf die braune Vergangenheit bzw. Gegenwart von M. aufmerksam gemacht, schreiben die Antifagruppen. Dort habe er dann erzählt, er sei 2008 aus der rechten Szene ausgestiegen. »Eine Schutzbehauptung«, sagen die Antifaschisten und üben Kritik am CCC: »Auf unsere Warnung an den CCC, dass M. einer der wichtigsten deutschsprachigen Nazi-Techniker sei, reagierten die Nerds, wie es in diesen Kreisen üblich ist: gar nicht.«

Robert M. ist schon lange dabei, sein Wissen ist gefragt. Als 2007 das Anfang Juni von der Polizei geschlossene »Thiazi«-Forum gegründet wurde, schulte Robert M. die Moderatoren im Umgang mit verschlüsselter Kommunikation und richtete ihnen entsprechende Werkzeuge auf seinem Server ein. Bereits im Jahr 2005 gründete er das Internetforum »Großdeutsches Vaterland« mit, in dem er unter dem Namen »Patria« auftritt, schreiben die Antifas. Schon hier war klar, wer für M. Freund und wer Feind ist. In den Nutzungsbedingungen der Forums heißt es: »Juden, Negern sowie Mischlingen ist die Mitgliedschaft untersagt.«