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Alexander Ludewig
04.07.2012
Einwurf

Angriff mit Fragezeichen

Ob wohlverdient oder nicht, die Nationalspieler weilen nach der Europameisterschaft im Urlaub. Und auch bei den Fußballklubs steht das Spielgerät erst mal nicht im Vordergrund. Fernab der aufgeregten Heimat, wo Medien und Fans die Ballruhe eher nervös werden lässt, legen die 18 Erstligavereine in Trainingslagern in Österreich, der Schweiz oder Italien die konditionellen Grundlagen für die kommende Saison. Es ist die 50. Spielzeit der Bundesliga.

Pünktlich zum Jubiläum war es der FC Bayern München, der die Konkurrenz mit einem Paukenschlag aus der Stille der Vorbereitung gerissen hat. Gestern wurde Matthias Sammer als neuer Sportvorstand vorgestellt. Angestachelt durch den Verlust der nationalen Spitzenposition an Borussia Dortmund, nehmen die Münchner nach den Versuchen mit den Konzepttrainern Jürgen Klinsmann und Louis van Gaal den dritten Anlauf innerhalb von vier Jahren, sich für neue Ideen zu öffnen. Diesmal allerdings auf übergeordneter Ebene. Mit Sammer holt sich der Rekordmeister viel Kompetenz in die Führungsetage. Der gebürtige Dresdner steht für langfristige und nachhaltige Konzepte, was er zuletzt sechs Jahre erfolgreich als DFB-Sportdirektor bewiesen hat.

Hinter dem Angriff auf den BVB stehen jedoch Fragezeichen. Denn der 44-jährige Sachse ist nicht nur für seinen enormen Sachverstand bekannt, sondern auch für seinen hartnäckigen, fast starrköpfigen Kampf für seine Ideen. Eher sucht er den Konflikt als das er ihm aus dem Weg geht. Obwohl der Schritt zum FC Bayern für Sammer kein großer war, er wohnt mit seiner Familie im Münchner Stadtteil Grünwald, ist er bestimmt nicht gekommen, um sich zu ändern.

Das bisherige und allmächtige Kompetenzzentrum des Klubs um Uli Hoeneß und Karl Heinz Rummenigge setzt also auf die Kräfte der Reibung. Erfolg kann daraus aber nur entstehen, wenn die »Alten« wirklich bereit für Neues sind, und im dritten Versuch sich wirklich öffnen, Macht teilen und abgeben. Gerade für den Fall, dass es zwischendurch Rückschläge geben sollte. Meinen sie es diesmal ernst, könnte der Paukenschlag langfristig bei der Konkurrenz nachhallen.


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