05.07.2012

Pakistan: Fahrt und Feuer frei!

NATO-Nachschub soll wieder rollen / Taliban drohen mit Angriffen auf Konvois

Sieben Monate lang rollte kein Nachschub für die NATO in Afghanistan durch Pakistan. Nun hat Islamabad seine Zustimmung für die Wiederaufnahme der Truppenversorgung gegeben. Doch wann es losgeht, ist unklar.

Islamabad/Kabul (dpa/nd). Nach knapp siebenmonatiger Blockade hat die pakistanische Regierung der Wiedereröffnung der Nachschubwege für die NATO-Truppen in Afghanistan offiziell zugestimmt. Wie Informationsminister Qamar Zaman Kaira am Mittwoch in Islamabad mitteilte, billigte das Kabinett eine entsprechende Empfehlung des Verteidigungskomitees vom Vortag. Wann die Konvois wieder durch Pakistan nach Afghanistan rollen können, ließ er allerdings offen.

Pakistan hatte die Nachschubwege für die Afghanistan-Schutztruppe ISAF Ende vergangenen Jahres geschlossen. Grund dafür war ein US-Luftangriff auf einen pakistanischen Grenzposten, bei dem im November 24 Soldaten getötet worden waren. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte sich am Dienstag nach langem Zögern dafür entschuldigt.

Pakistans Einsatz für Frieden in der Region sei durch den US-Angriff »beeinträchtigt« worden, sagte Informationsminister Kaira. Daher habe seine Regierung die Entschuldigung begrüßt. Teile der Opposition kritisierten die Wiedereröffnung der Nachschubrouten dagegen als »Kapitulation« vor den USA.

Bis zum Beginn der Blockade durch die pakistanische Regierung Ende 2011 bezogen die NATO-Truppen in Afghanistan rund 80 Prozent ihres Nachschubs auf dem Landweg über Pakistan. Die wichtigste Route führt vom Hafen in Karatschi durch Zentralpakistan zum Khyber-Pass, eine weitere durch die Provinz Baluchistan in Richtung Kandahar.

Nach der Ankündigung Pakistans haben die pakistanischen Taliban mit Angriffen auf die Konvois gedroht. »Wir werden nicht nur den Nachschub angreifen, sondern auch die Fahrer der Lastwagen töten«, erklärte der Sprecher von Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), Ehsanullah Ehsan, in der Nacht zu Mittwoch.

TTP gilt als Dachorganisation der pakistanischen Taliban. In den vergangenen Jahren haben die Aufständischen immer wieder Nachschubkonvois in Brand gesteckt und Fahrer erschossen. 2010 waren bei Angriffen mehr als 200 Transport- und Militärfahrzeuge zerstört worden.

Unterdessen hat in Afghanistan ein Angreifer in der Uniform der afghanischen Armee südwestlich von Kabul das Feuer auf US-Truppen eröffnet und dabei mindestens fünf Soldaten verletzt. Wie am Mittwoch aus afghanischen Sicherheitskreisen verlautete, konnte der mutmaßliche Täter nach dem Angriff am Dienstag fliehen. Ein Sprecher der ISAF bestätigte den Vorfall in der Provinz Wardak. Erst am Sonntag hatte ein uniformierter Afghane in der südlichen Provinz Helmand drei britische NATO-Soldaten getötet.

Angriffe von Extremisten in Uniformen der afghanischen Armee und Polizei auf NATO-Soldaten haben in dem Land am Hindukusch zugenommen.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken