Von Jérôme Lombard
06.07.2012

Krach um Senioren in der Stillen Straße

Bezirk Pankow stellt Strafanzeige wegen Körperverletzung / Gerüchte über Räumung

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Udo Wolf (l.) beim gemeinsamen Essen mit Besetzerinnen.
In Pankow verhärten sich zunehmend die Fronten. Nachdem es am Mittwoch zu einer ersten Eskalation im Konflikt um die von Senioren besetzte Begegnungsstätte in der Stillen Straße 10 kam, kursierten gestern Gerüchte über eine mögliche Räumung des Hauses. Bei dem Zwischenfall am Mittwoch soll der Hausmeister der landeseigenen Villa von einem jüngeren Unterstützer tätlich angegangen worden sein. Der Bezirk stellte daraufhin Strafanzeige wegen Körperverletzung.

»Jetzt ist eine Grenze überschritten. Die Senioren müssen sich deutlich von Gewalt distanzieren«, so der stellvertretende Bezirksbürgermeister Jens-Holger Kirchner (Grüne). Die Besetzer bestreiten einen Übergriff und sprechen von einer Selbstverletzung des Hausmeisters. »Der Hausmeister hat sich selber an seinem Schlüssel geschnitten. Der Vorwurf der Körperverletzung ist absurd«, sagt Clubvorsitzende Doris Syrbe. Der vom Bezirksamt geschickte Hausmeister habe sich ohne Ankündigung und Absprachen im Haus bewegt. »Wir wollten von ihm wissen, was er will. Er hat aber nicht geantwortet und stattdessen Räume aufgeschlossen«, erklärt Margret Pollak, eine der insgesamt sechs Besetzer. Als der junge Mann den Hauswart auf sein Verhalten ansprach, habe dieser wild Gestikuliert und sich dabei an einem seiner Schlüssel geschnitten. »Der junge Mann hat besonnen gehandelt und wir sind froh, dass er uns unterstützt«, konstatiert Syrbe.

Aus Protest gegen die aus Kostengründen geplante Schließung ihrer Begegnungs- und Freizeitstätte halten die Senioren sie seit letztem Freitag besetzt. Viele Anwohner und Initiativen erklärten sich seitdem mit der Aktion solidarisch. So auch der Vorsitzende der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Udo Wolf. Als Zeichen der Solidarität kochte er gestern gemeinsam mit den Besetzern.

»Dies ist eine tolle funktionierende Freizeitstätte. Ich finde es gut und richtig, dass sich die von den willkürlichen Kürzungsplänen Betroffenen hier gemeinsam engagieren«, erklärt der Politiker. Er verwies auf das Fehlen eines Gutachtens, das die mit über zwei Millionen angegebenen Sanierungskosten bestätigen könnte. »Ich habe die Befürchtung, dass es bei der Schließung um rein finanzielle Interessen geht«, so Wolf.
Bisher hat der Bezirk die Kosten für eine nötige Instandsetzung nur geschätzt. Es sei aber letztlich auch unwichtig, ob die Sanierung eine oder drei Millionen Euro koste. Der Bezirk habe das Geld so oder so nicht, erläutert Kirchner.

Für Aufregung sorgten gestern auch Gerüchte über eine bevorstehende Räumung des Hauses. Bisher hat der Bezirk dieses Mittel als Option ausgeschlossen. Über das weitere Vorgehen wollen die Besetzer heute bei einer offenen Grillparty gemeinsam entscheiden.

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