06.07.2012

Volkswagen übernimmt Porsche

Kauf am 1. August / Kritik an Steuertrick

Wolfsburg/Stuttgart (dpa/nd). Volkswagen und Porsche schließen sich schneller zusammen als gedacht. Am späten Mittwochabend hatte VW angekündigt, die monatelange Hängepartie um das weitere Vorgehen bei Porsche durch die Übernahme der übrigen 50,1 Prozent des operativen Sportwagengeschäfts der Stuttgarter zu beenden. 49,9 Prozent gehören VW schon. Wohl bereits zum 1. August will Europas größter Autokonzern die noch fehlenden Aktien erwerben. Dafür zahlt VW rund 4,46 Milliarden Euro in bar; zudem wechselt eine VW-Stammaktie zu Porsche.

An dem Zusammenschluss kommt Kritik aus der Politik, weil die Konzerne dabei ein Schlupfloch im Steuerrecht ausnutzten. Andernfalls hätten sie Schätzungen nach rund 1,5 Milliarden Euro Steuern für das Geschäft überweisen müssen. Kern des Deals ist, dass VW den grundsätzlich steuerpflichtigen Kauf als steuerfreie Umstrukturierung ausweist. Das geht, weil zugleich mit dem Kaufpreis eine VW-Stammaktie zur Porsche-Dachgesellschaft PSG verschoben wird, die bereits jetzt größter VW-Anteilseigner ist.

Der Staat ist nach Ansicht von VW aber nicht der große Verlierer. Es fielen transaktionsbedingte Steuern von deutlich über 100 Millionen Euro an, erklärte Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Zudem könnten die beiden Autobauer zusammen Kostenvorteile heben, so mehr Gewinn machen und damit auch mehr Steuern zahlen.

FDP-Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle kritisierte den Deal. Er sagte dem »Handelsblatt«, wenn Weltkonzerne mit solchen Steuertricks Milliarden sparen könnten, müsse sich jeder Steuerzahler veräppelt fühlen. »Von so viel Nachsicht der Finanzämter können viele Handwerker nur träumen.« Brüderle räumte ein: »Das mag alles legal sein, zeigt aber, wie dringend wir ein einfacheres und gerechteres Steuerrecht brauchen.«

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn erklärte, der Kauf sei »gut für Volkswagen, für Porsche und für den Industriestandort Deutschland«. Er sichere Jobs, am VW-Stammsitz in Wolfsburg werde keinesfalls gerüttelt. Porsche solle als Marke eigenständig bleiben. Die Betriebsräte von VW und Porsche sowie Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) sprachen von einem »Meilenstein«.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken