Von Bettina Markmeyer, epd
06.07.2012
Brandenburg

Eltern-Kind-Gruppe oder Betreuungsgeld

Die geplante Herdprämie könnte in Brandenburg andere Familienleistung aushöhlen

Das Land Brandenburg hat ein besonderes Angebot für Kleinkinder und ihre Eltern entwickelt: die Eltern-Kind-Gruppen. Kommt das Betreuungsgeld im nächsten Sommer, müssen sich die Eltern entscheiden: Wollen sie die 150 Euro im Monat nehmen, oder wollen sie eine der Gruppen ausprobieren? Die familienpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag und Brandenburgerin Diana Golze sagt: »Diese Logik kann ich nicht nachvollziehen.« Das Betreuungsgeld-Gesetz, das letzte Woche unter heftigem Streit in den Bundestag eingebracht wurde, könne zu einer Gefahr für die Eltern-Kind-Gruppen und für ihre Träger in Brandenburg werden.

Denn der Gesetzentwurf zielt darauf ab, dass Familien mit Kleinkindern keine öffentlich geförderten Betreuungsangebote in Anspruch nehmen. Um den tatsächlichen Familienalltag geht es nicht: Neben der Hausfrau erhalten auch Vollzeit-Doppelverdiener-Eltern das Geld, solange sie die Betreuung ihrer Kinder privat organisieren. Das geplante Gesetz sei eindeutig, sagt der Sprecher von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU), Christoph Steegmans: »Entweder das Betreuungsangebot oder das Betreuungsgeld. Wer in die Eltern-Kind-Gruppe geht, kriegt kein Betreuungsgeld.«

Die Eltern-Kind-Gruppen richten sich an Mütter und Väter mit bis zu dreijährigen Kindern und werden vom Land Brandenburg genauso gefördert wie Kita-Plätze. Ein Platz kostet 250 Euro. Zum Vergleich: Ein Krippenplatz kostet 600 Euro. An bis zu fünf Tagen in der Woche jeweils bis zu sechs Stunden können Eltern mit ihren Kleinkindern kommen. Meist sind die Gruppen an Kindertagesstätten angegliedert, in Familienzentren zu finden oder auch bei einer Kirchengemeinde. Sie sind nicht vergleichbar mit Eltern-Kind-Gruppen, in denen man sich einmal die Woche zum Spielen und Klönen trifft, sondern vor allem ein Versuch, benachteiligten Kindern frühe Anregungen zu bieten.

Dafür gibt es verbindliche, geschlossene Gruppen, die von pädagogischen Fachkräften geleitet werden. Jugendämter und Familienhelfer machen Eltern, die Hilfe brauchen, gezielt auf diese Gruppen aufmerksam. Daneben gibt es offene Gruppen mit Programm: Babymassage, gemeinsam kochen, Kleinkindturnen, Ernährungsberatung, Singen. Die Angebote sind von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich.

Eine landesweite Abfrage in der Modellphase der Eltern-Kind-Gruppen 2010 ergab: Beide Arten von Gruppen sind gut besucht. Manche Eltern brauchen das Angebot, andere suchen es, weil ihr Kind so früh noch nicht in eine Kita gehen soll. Weil aber das Land die Eltern-Kind-Gruppen aus der Modellphase in die Regelfinanzierung übernommen hat, schließt der Besuch einer solchen Gruppe den Bezug des Betreuungsgeldes aus.

Die brandenburgische Bildungsministerin Martina Münch (SPD) ist verärgert: »Wenn mit den Regelungen zum Betreuungsgeld hoch wirksame Bildungs- und Betreuungsangebote für Eltern und Kinder behindert werden, dann ist das völlig absurd«, sagte sie dem epd. Der Besuch der Eltern-Kind-Gruppen tue den Kindern, aber auch vielen Müttern gut. »Da diese Gruppen aber öffentlich gefördert sind und sein müssen, damit sie ein hochwertiges Angebot machen können, werden diese Eltern das Betreuungsgeld nicht bekommen können«, sagt Münch. Ihre Landsmännin Diana Golze will im Bundestag nun wissen, ob auch andere Angebote betroffen sind, »Mehrgenerationenhäuser zum Beispiel, die öffentlich geförderte Krabbelgruppen anbieten«.

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