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Von Christin Odoj
06.07.2012

Einfach aussortiert

Gutachter fordert Verbot des neuen Down-Syndrom-Gentests

Ein gestern veröffentlichtes Gutachten erklärt den umstrittenen vorgeburtlichen Bluttest zur Diagnose von Down-Syndrom für illegal.

Eigentlich sollte der sogenannte Praena Test der Konstanzer Firma Lifecodexx im Juli auf den Markt kommen. Laut einem Gutachten, das der Bonner Rechtswissenschaftler Klaus Ferdinand Gärditz für den Behindertenbeauftragten der Bundesregierung anfertigte, könnte der Test jedoch noch verboten werden. Der Jurist kommt zu dem Urteil, dass der Test, der »weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken« diene, kein zulässiges Diagnosemittel sei.

Da Trisomie21 nicht heilbar und nur in geringem Maße therapierbar ist, würde der Test gegen das Gendiagnostikgesetz verstoßen, heißt es in dem 23 Seiten langen Gutachten. Genanalysen wie der »Praena Test« dürften nur dann durchgeführt werden, wenn die Gesundheit des Embryos während und nach der Schwangerschaft anhand eines genetischen Defekts massiv beeinträchtigt wird. Wesentlich schwerwiegendere Erkrankungen, wie die Trisomien 13 und 18, werden mit dem Verfahren nicht erkannt. »Es geht beim Bluttest ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom«, kritisierte der Beauftragte für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe (CDU) gestern in Berlin. Auch die Bundesvereinigung Lebenshilfe in Deutschland kritisierte, der Test stelle das Lebensrecht von Menschen mit Down-Syndrom infrage. Schon heute entscheiden sich mehr als 90 Prozent aller Frauen dafür, die Schwangerschaft abzubrechen, wenn beim Embryo frühzeitig Trisomie21 diagnostiziert wurde. Hüppe fürchtet, dass der Druck auf Paare, abzutreiben, durch den Test noch steigen wird. In Deutschland ist eine Abtreibung unter strengen Auflagen bis zur zwölften Schwangerschaftswoche möglich.

Die letztendliche Entscheidung, den Test zu verbieten, liege jetzt bei den Landesbehörden, vornehmlich den Gesundheitsministerien, erklärte Rechtswissenschaftler Gärditz. Er appellierte an die Ämter, den Vertrieb des »Praena Test« zu stoppen. Ausgeschlossen ist aus Sicht von Gärditz auch, dass der Test durch die gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werde. Bei den Privaten falle eine Unterstützung unter die Sittenwidrigkeit. Ärzten könnten berufsrechtliche Konsequenzen drohen. Der Test wurde zunächst in Deutschland zugelassen, weil er die technischen Voraussetzungen des Medizinprodukterechts erfülle, aber nicht unter das Arzneimittelgesetz falle, erklärte Gärditz.

Der Bluttest, dessen Entwicklung vom Forschungsministerium mit rund 230 000 Euro gefördert wurde, soll zunächst in rund 20 Praxen und Pränatalzentren in Deutschland angeboten werden und rund 1250 Euro kosten. Die Summe müssen die Frauen selbst zahlen. In der Darmstädter Praxis für Pränatalmedizin von Alexander Scharf ist der Test ab dem 12. Juli möglich, wie die Praxis auf nd-Anfrage bestätigte. Der Test wird erst ab der zwölften Schwangerschaftswoche durchgeführt und ist nur für Frauen gedacht, bei denen ein erstes Screening bereits einen auffälligen Befund ergeben hat.

Das Gentestverfahren basiert auf dem Umstand, dass sich im Blut einer Schwangeren kindliches Erbgut befindet, das im Labor auf Hinweise einer Chromosomenveränderung analysiert wird. Lifecodexx wirbt damit, dass der Test eine risikofreie Diagnosemethode im Gegensatz zur Fruchtwasseranalyse sei. Bei der sogenannten Amniozentese verlieren laut der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe zehn von 1000 Frauen ihr ungeborenes Kind.

Der Berliner Theaterschauspieler Sebastian Urbanski, der selbst das Down-Syndrom hat, plädierte bei der Vorstellung des Gutachtens für ein Verbot des Tests. Dass ein Aussortieren vor der Geburt überhaupt möglich sei, zeige, »dass Behinderte wohl immer Außenseiter bleiben«.

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