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Von Rolf Höller
07.07.2012

Kaiser gerichtet

Ein Habsburger auf mexikanischem Thron

Vor einem Erschießungskommando steht ein älterer Herr in eleganter Uniform, mit langem Bart und Sombrero. Eingerahmt ist er von zwei ärmlich gekleideten Delinquenten, die ebenfalls dem Tod geweiht sind. Über die das Gefängnis einrahmende Mauer lugen die Dorfbewohner. Sie halten sich zwar wegen des zu erwartenden Krachens der Schüsse die Ohren zu, wollen aber dennoch Zeuge dieses nicht alltäglichen Spektakels werden. Wann wird schon mal ein Kaiser hingerichtet?

Die Szene spielte sich am 19. Juni 1867 im mexikanischen Querétaro ab. Festgehalten für die Nachwelt hat sie der französische Maler Edouard Manet. Dessen Landsmann Napoleon III. war mitschuldig an der Tragödie. Frankreich wollte sich in Lateinamerika etablieren und den Einfluss der Vereinigten Staaten in dieser Region zurückdrängen. Zweck zum Ziel war die Errichtung einer Monarchie in Mexiko. Dort saß freilich ein bürgerlicher Politiker an der Macht.

Benito Juárez amtierte seit 1858. Zuvor hatte ein Bürgerkrieg das Land ruiniert. Da der neue Präsident sich weigerte, Mexikos Auslandsschulden zu begleichen, intervenierten Großbritannien, Spanien und Frankreich mit ihrer Armee. Die französischen Truppen blieben, besetzten die Hauptstadt und vertrieben die einheimische Regierung. In der Folgezeit ließen sich die Besatzer in einen kostspieligen Guerillakrieg verwickeln, der sich umso länger hinzog, je mehr Juárez auf die Unterstützung der einheimischen Bevölkerung bauen konnte.

Die koloniale Auseinandersetzung in Mexiko schlug Wellen bis nach Europa. Im Herzen des alten Kontinents signalisierte der Spross einer großen Herrscherfamilie Bereitschaft, sich für ein politisches Ränkespiel missbrauchen zu lassen. Maximilian, am 6. Juli 1832 als Zweitältester in Habsburgs Wiener Sippe hineingeboren, mochte sich mit dem Status des kleinen Bruders nicht länger abfinden. Eine Möglichkeit, sich zu profilieren, ergab sich fern der Heimat im mexikanischen Konflikt.

Reichlich naiv trat Maximilian die Reise über den Großen Teich an. Als Kaiser von Mexiko ließ er sich auf einen Thron setzen, der keiner Tradition entsprungen war, sondern extra für ihn errichtet wurde. Um in seinem neuen Volk, das den Fremdling kaum kannte, besser anzukommen, reiste er mit seiner ehrgeizigen Gattin, der belgischen Prinzessin Charlotte, im Land umher. Doch statt mit aufgesetztem Sombrero den volkstümlichen Landesvater zu geben und vermeintlich öffentlichkeitswirksam einen mexikanischen Jungen zu adoptieren, hätte das royale Paar lieber Spanisch lernen sollen. Dann hätte Maximilian gewusst, was ihn erwartete.

Inzwischen hatten die Franzosen aus taktischen Erwägungen ihre Truppen wieder aus Mexiko abzogen. In Paris fürchtete man nicht zu Unrecht einen nahenden Konflikt mit Preußen, wofür sich das in Übersee eingesparte Geld verwenden ließe. In Wien bangte Maximilians Bruder Franz Joseph nach der Niederlage von Königgrätz (dem heutigen Hradec Králové) um die Vorherrschaft über die deutschen Länder und seine Stellung am Hof. Maximilian hätte dorthin zurückkehren und den Monarchen ersetzen können. Mit einer schweren Hypothek: Ein schmachvoller Abgang aus Mexiko hätte für Österreich einen noch größeren Imageschaden als den durch die Schlappe gegen Preußen ohnehin erlittenen bedeutet. Maximilian entschied sich, in Mexiko auszuharren. Die Unterschätzung der militärischen Stärke von Juarez' Rebellenarmee bestärkte ihn in seiner Entscheidung. Mit fatalen Folgen: Die Schlacht von Querétaro mündete in einer militärischen und der anschließende Kriegsgerichtsprozess in einer persönlichen Katastrophe.

Benito Juárez lehnte eine Begnadigung ab: Schließlich hatte sein Gegner zuvor ein Gesetz erlassen, das bewaffneten Widerstand gegen die Staatsgewalt mit dem Tod bestrafte. Nach seinem Verständnis war Juárez der rechtmäßige Präsident des Landes. So endete Maximilian I., einst stolzer Kaiser von Mexiko, wie ein hundsgewöhnlicher Krimineller. Das royale Intermezzo des glücklosen Habsburgers währte drei Jahre.

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