07.07.2012

Sinnhaft?

Kommentar von Dieter Janke

Hans-Werner Sinn, der sich gern als »Starökonom« feiern lässt, gibt sich beunruhigt ob der jüngsten Brüssler Eurobeschlüsse. Er probt den Volksaufstand gegen den dortigen Schwenk der Bundeskanzlerin, von dem man noch gar nicht so recht weiß, ob er lediglich taktischer Natur ist oder Ausfluss tiefer gehender Einsichten zum tatsächlichen Zustand der Einheitswährung. Offenbar kommt es dem Münchner Professor dabei gar nicht in den Sinn, dass es vor allem der von ihm stets verteidigte Marktfetischismus, gepaart mit der vermeintlichen wirtschaftlichen Omnipotenz Deutschlands, war und ist, der den Euro an den Rand seiner Existenz gebracht hat. Reflexhaft verfährt Sinn nun nach der Devise »Haltet den Dieb!«

Sollte der Euro als Versuch des monetären Zusammenschweißens des Kontinents tatsächlich scheitern, stellt sich die Frage nach der Kompatibilität der Lehre von den heilsbringenden Wirkungen der reinen Marktkräfte für die alte Welt indes gar nicht mehr. Denn dann ist sie von der Realität gnadenlos beantwortet worden! Und dabei sollte man nicht in Vergessenheit geraten lassen, wer dem neuen Geld bei den entscheidenden Runden über die Konvergenzkriterien oder bei der Entstehung des Statuts der Europäischen Zentralbank seinen Stempel aufgedrückt hat. Denn nicht zuletzt waren es die bundesdeutschen Finanz- und Währungspolitiker in Zusammenarbeit mit den »Starökonomen« vom Schlage Sinns.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken