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Von Ralf Klingsieck, Paris
16.07.2012

Die Krise als Ausrede?

Proteste gegen Personalabbau beim Autokonzern PSA / Französische Regierung will Pläne nicht hinnehmen

Der Autobauer PSA Peugeot Citroën will 8000 Mitarbeiter entlassen - Gewerkschaften und Politik finden die Begründungen nicht plausibel.

Die Pläne des Automobilkonzerns PSA Peugeot Citroën, 2014 ein Werk zu schließen und in Frankreich 8000 Arbeitsplätze zu streichen, stoßen auf breite Empörung. Wie dem Betriebsrat von Konzernchef Philippe Varin mitgeteilt wurde, soll das Werk in Aulnay-sous-Bois mit 3000 Mitarbeitern geschlossen werden, während in Rennes 1400 der 5600 Arbeitsplätze gestrichen werden, in Poissy 702, in Sochaux 579, in Mulhouse 273, in Trémery 52 und in Metz 42. Außerdem müssen auch etwa 2000 Mitarbeiter der Konzernzentrale und der Designabteilung gehen.

Die Direktion hoffe, dass sich genug Mitarbeiter finden, die gegen eine Abfindung freiwillig ausscheiden, erklärte Varin, andernfalls müsse man entlassen. Die Kürzungen seien unausweichlich, weil der Autoabsatz aufgrund der Krise dramatisch eingebrochen sei und PSA seit einem Jahr Monat für Monat 200 Millionen Euro an Verlust verbuchen muss.

Nachdem die Entlassungspläne bekannt wurden, legten Arbeiter in Aulnay und Rennes spontan für mehrere Stunden die Arbeit nieder und demonstrierten auf dem Betriebsgelände. Die Gewerkschaften verweisen darauf, dass die von der Konzernleitung genannten Zahlen nur die Kürzungen bei den fest angestellten Mitarbeitern darstellten. Hinzu kämen tausende Zeitarbeiter, die nicht mehr beschäftigt würden und Mitarbeiter von Zulieferfirmen. Insgesamt fielen damit wohl 20 000 bis 25 000 Arbeitsplätze weg.

»Die Konzernleitung erklärt uns den Krieg«, rief CGT-Betriebsrat Jean-Pierre Mercier auf der Protestdemonstration in Aulnay, »den werden sie bekommen.« Besonders aufgebracht sind die Arbeiter, weil die existierenden Gerüchte über Entlassungen seit einem Jahr von der Konzernleitung dementiert worden waren.

Auch in der Linksregierung ist die Empörung groß über den Konzern, der noch 2011 über 200 Millionen Euro an seine Aktionäre ausschüttete und jetzt mit Hinweis auf Millionenverluste Massenentlassungen rechtfertigen will. Zudem hatte PSA vor drei Jahren ein staatliches Darlehen von über zwei Milliarden Euro bekommen, das er sogar vorfristig zurückzahlte.

Angesichts der Krise hatte die Linksregierung für Ende Juli ein staatliches Hilfsprogramm für die Autoindustrie angekündigt. Die PSA-Pläne empfindet man im Élysée-Palast als Affront, zumal Varin einräumte, die Bekanntgabe bewusst bis nach den Wahlen verschoben zu haben. Am Sonnabend kündigte Präsident François Hollande an, dass die Regierung die PSA-Pläne »nicht hinnehmen« werde. Experten würden beauftragt, die wirtschaftliche Situation des Konzerns gründlich zu untersuchen. Davon werde die Regierung ihr Vorgehen im »Fall PSA« und das Hilfsprogramm für die Autoindustrie abhängig machen.

Waren in diesem Industriezweig 1980 in Frankreich 321 000 Menschen beschäftig, zählte man 1990 schon nur noch 217 000 und im vergangenen Jahr 135 000. Die Produktion im Inland ging in den letzten sieben Jahren um 39 Prozent zurück. Wurden 2004 in Frankreich noch 3,21 Millionen Autos gebaut, waren es 2011 lediglich 1,97 Millionen, davon 1,32 Millionen bei Renault und 640 000 bei Peugeot oder Citroën. Renault wird von der Krise weniger hart getroffen, weil der Konzern, an dem der Staat mit 15 Prozent beteiligt ist, immer größere Teile der Produktion ins Ausland verlagert hat und heute nur noch 28 Prozent seiner Autos in Frankreich produziert. Beim Privatkonzern PSA, an dem die Familie Peugeot zu knapp 10 Prozent beteiligt ist, sind es 37 Prozent. Das werfen dem Konzern jetzt Bankanalysten als »strategische Fehlentscheidung« vor. Die Pariser Börse reagiert am Freitag mit einem Einbruch des PSA-Aktienkurses um 7,65 Prozent.

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