Von Tom Mustroph, Foix
16.07.2012

Greipel zieht mit Sagan gleich

Dritter Etappensieg für Rostocker / Bradley Wiggins wartet auf Unglücksraben Cadel Evans

Die Matadore des Wochenendes heißen André Greipel, Luis Leon Sanchez, Peter Sagan und das gesamte BMC-Team. Sanchez gewann die Bergetappe am Sonntag nach Foix aus einer Spitzengruppe heraus, nachdem sich der Rostocker Sprinter Greipel in Cap d'Agde tags zuvor seinen dritten Etappenerfolg bei dieser Tour gesichert hatte. Dabei kämpfte er nicht nur den ebenfalls dreifachen Etappensieger Peter Sagan nieder. Er überstand auch einen giftigen Anstieg 23 Kilometer vor dem Ziel. Viele Sprinterrivalen, u.a. der Brite Mark Cavendish (Sky) und der Australier Matthew Goss (Orica) konnten hier nicht mithalten.

»Das war die Schlüsselstelle. André war zwar unter den Letzten dort. Aber er blieb in der großen Gruppe«, lobte ihn sein Teamkollege Marcel Sieberg, der Greipel bei diesem Abenteuer helfend zur Seite stand. »Aber fahren musste er das schon allein«, schränkte Sieberg seinen Anteil ein. Wegen der Widerstandsqualitäten am St. Clair wurde Greipel von englischen Journalisten jetzt zum Favoriten für Olympia erklärt. In die erste Liga der Sprinter ist er endgültig aufgenommen.

Sagan, der Verlierer vom Vortag, lieferte am Sonntag ein ganz besonderes Kabinettstückchen ab. Der Slowake, ein Sprinter mit Muskulatur auch für kurze Anstiege, initiierte trotz der Drohung von zwei Bergen der zweithöchsten Kategorie die elfköpfige Fluchtgruppe des Tages. Er sammelte am Fuß des ersten Gipfels die 20 Punkte für den besten Zwischensprint ein und vergrößerte seinen Vorsprung in dieser Wertung um 16 Punkte. Greipel hatte sich zu Beginn der Tour gar nicht an Zwischensprints beteiligt, weil er Sagan ohnehin für uneinholbar im Kampf um Grün hielt - »Etappensiege sind wichtiger als ein 2. oder 3. Rang in dieser Wertung«, sagte er »nd« - sicherte sich vier Zähler. »Ein zweiter oder dritter Platz bringt Geldprämien für die Mannschaftskasse«, erklärte Sieberg diesen Sinneswandel.

Die Kontrahenten um das gelbe Trikot wollten sich an diesen beiden Tagen in Südfrankreich eher der Erholung widmen. Den meisten gelang dies auch. Der Gesamtführende Bradley Wiggins profilierte sich noch als Anfahrer für seinen Teamkameraden Edvald Boasson Hagen. Von dieser Tempoarbeit profitierte allerdings vor allem Greipel. Er klebte am Hinterrad des Norwegers, schoss dann an ihm vorbei und hielt auch der Beschleunigung von Sagan stand. »Ja, das war ein Geschenk von Wiggins an uns«, frohlockte Lotto-Teamchef Marc Sergeant.

Wiggins' Hauptrivalen, der Italiener Vincenzo Nibali und der Belgier Jurgen Vandenbroeck tauchten hingegen völlig in die Anonymität des Pelotons ab. Titelverteidiger Cadel Evans gelang nicht einmal dies. Erst versuchte er sich am Sonntag an einem zaghaften Angriff an der Mur de Peguere. Dann ereilte ihn ein Defekt. Eine Minute wartete er, bis ihm ein Mannschaftswagen helfen konnte. Dabei rutschte Teamchef Jim Ochowicz noch in den Straßengraben. Wiggins hielt immerhin das Peloton an, um auf den Unglücksraben zu warten.

Vorn machte die Spitzengruppe den Etappensieg unter sich aus. Mehr als 15 Minuten Vorsprung fuhr sie heraus. Sagans Hoffnungen auf ein ganz großes Bubenstück wurden zunächst auf dem bis zu 18 Prozent steilen Anstück der »Mauer von Peguere« kurz erschüttert. Er musste die stärkeren Bergfahrer ziehen lassen, kämpfte sich dann aber wieder heran. Dem entscheidenden Antritt des Spaniers Sanchez konnte er dann aber doch nicht folgen und wurde wieder Zweite.

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