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Von Martin Ling
17.07.2012

Migration wächst mit Wohlstand

Die Entwicklungszusammenarbeit steht unter Legitimationsdruck: Weit über 2 Billionen Dollar sind in den vergangenen 50 Jahren in den Süden geflossen, ohne dass das Problem der Unterentwicklung aus der Welt geschafft werden konnte. Kein Wunder, dass in Zeiten knapper öffentlicher Kassen die Frage nach Sinn und Zweck der Entwicklungshilfegelder verschärft gestellt wird.

Wasser auf die Mühlen der Kritiker bringt eine Studie der Schweizer Denkfabrik »foraus«: Verhindert wirtschaftliche Entwicklung Migration? Die Antwort fällt eindeutig aus: Das Gegenteil ist der Fall. Steigt in ärmeren Staaten der Wohlstand, nimmt auch die Migration zu, so die Analyse. Diese Erkenntnis ist freilich alles andere als sensationell oder gar neu. Problematisch ist nur, dass es in der Tat Entwicklungspolitiker gibt, die Werbung in eigener Sache machen, indem sie argumentieren, dass mit Entwicklungshilfe die Migration eingedämmt werden kann. Und die geraten nun in Argumentationsnot. Nötig wäre das freilich nicht, wenn die Begriffe sauber gebraucht werden. Flucht und Migration sind zwei unterschiedliche Begriffe. Ihre Bedeutungen dürfen nicht vermischt werden. Es gibt keine Migrationsflut. Nur etwa drei Prozent der Weltbevölkerung sind Migranten. Dieser Prozentsatz ist seit Jahrzehnten stabil, wie Statistiken der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zeigen. Gelingende Entwicklungspolitik kann Fluchtursachen bekämpfen, Migration nicht. Handlungsleitend ist eine solche Politik ressortübergreifend jedoch keinesfalls. In den USA und in der EU wird eher in Grenzzäune oder in den Ausbau der mobilen Flüchtlingsabwehr investiert als in Programme zur Bekämpfung von Fluchtursachen. Die globalen Rüstungsausgaben in einem Jahr stehen mit derzeit 1,74 Billionen Dollar denen aus 50 Jahre Entwicklungshilfe kaum nach. Das zeigt die Prioritäten.

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