Von Armin Osmanovic, Johannesburg
23.07.2012

Wenn Löwen Menschen anfallen

Angst und Ärger vor den Toren der afrikanischen Nationalparks

Afrikas Nationalparks locken jedes Jahr Tausende von Touristen an. Alle wollen Löwen, Elefanten, Nashörner und Giraffen in freier Wildbahn erleben. Neben Fototouristen kommen auch viele Jäger in die privaten Wildgebiete. Doch mit der wachsenden Zahl von Löwen und Hyänen gibt es mehr Konflikte mit den Anrainern.

Foto- und Jagd-Tourismus bringen Afrikas Nationalparks viel Geld. Zudem bekommen Staaten wie Kenia und Tansania große Finanzhilfen internationaler Organisationen, um die Biodiversität zu bewahren. Der Profit wandert in die Taschen von Parkbehörden und Regierungen.

Nur selten verdienen Dorfgemeinschaften wie im Norden des südafrikanischen Krüger-Parks direkt am Geschäft mit den Touristen. Die dort aus dem Krüger-Park 1969 vertriebenen Makuleke sind heute an Gästehäusern für Touristen beteiligt. Die Schule der Gemeinschaft konnte mit den Einnahmen aus dem Tourismus ausgebaut werden und hat heute als eine der wenigen in der Region eine funktionierende Bibliothek.

Doch die Menschen am Rande der Nationalparks und Wildgebiete sind vom Gewinn aus dem Tourismus ausgeschlossen. Und sie leben auch in ständiger Angst, von Löwen, Leoparden, Hyänen oder Krokodilen gefressen oder von Elefanten und Flusspferden niedergetrampelt zu werden. Denn die Schutzzäune bieten nicht immer Sicherheit.

Zwischen Hwange- und Matobo-Nationalpark hat Xolani Ndlovu seine kleine Farm. »Wegen der Dürre kommen die Tiere in die Dörfer. Dieses Jahr habe ich schon sechs Kühe an Hyänen und Löwen verloren«, klagt Ndlovu. Für verantwortlich hält der Farmer die Parkverwaltung, die die Wasserpumpen im Park und die Zäune nicht repariert. »Elefanten sind auch ein Problem, denn sie zertrampeln in einer Nacht unsere ganze Ernte. Und niemand entschädigt uns für die Verluste«, so Ndlovu.

Nicht selten sind auch Menschen die Opfer. Im Süden Tansanias - nahe den weltweit größten Schutzgebieten Selous-Park in Tansania und Niassa im Norden Mosambiks - sterben allein durch Löwen jedes Jahr 200 bis 300 Menschen. Einige der Tiere haben sich regelrecht auf die Zweibeiner spezialisiert. Ein Grund, so James Clark, der zum Konflikt zwischen Menschen und Wildtieren in Afrika kürzlich ein Buch (»Save me from the Lion’s Mouth«) vorgelegt hat, liegt im einstigen Sklavenhandel, bei dem viele geschwächte Menschen auf ihrem langen Weg zur Küste zurückgelassen wurden. Einige Löwen spezialisierten sich auf diese leichte Beute und gaben dies an die nächsten Generationen weiter.

Neben der Angst wächst die Wut auf die Parks. Im Zululand besetzte die Ndumo-Gemeinschaft mit ihrem Vieh im Jahr 2011 kurzerhand das fruchtbare Land des benachbarten Parks. Ohne mehr Beteiligung an den Gewinnen der Parks werden solche Konflikte zunehmen.

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