23.07.2012

Der Dobrindt-Kreuzer

Kommentar von Kurt Stenger

Die Griechen sollen schon mal mit der Wiedereinführung der Drachme beginnen, meint CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt, der konkrete Schritte zum Austritt Athens aus der Eurozone fordert. Die Hälfte der Beamtengehälter, Renten und sonstigen Staatsausgaben sollte schon mal in der alten Währung ausgezahlt werden. Weitere südeuropäische Länder sollen später dem Beispiel folgen.

Als Führungskader der bayerischen Quasi-Staatspartei CSU hat Dobrindt nicht zuerst das Wohl Europas im Blick, sondern die Landtagswahlen in einem Jahr. Da dann nach aktuellen Umfragen der undenkbare Gang in die Opposition droht, gilt es, rasch beim Wahlvolk zu punkten. Und für populistische Schnellschüsse scheint sich derzeit kaum etwas besser zu eignen als die Euro-Krise - genauer gesagt: Das Fiasko des Merkel'schen Krisenmanagements, an dem qua Regierungsbeteiligung auch die CSU beteiligt ist, sollen gefälligst die Südeuropäer ausbaden. Nachdenken ist bei Reaktionen à la Dobrindt natürlich nur lästig. Dann käme man nämlich auf den Schluss, dass bei einem Teilcrash Eurozone auch deutsche Steuerzahlergarantien in großem Umfang fällig würden.

Wenn man mit Griechen, Portugiesen, Spaniern und Italienern nicht länger die Währung teilen möchte, gäbe es übrigens auch einen anderen, schneller zu vollziehenden Weg: Die von der CSU geführte bayerische Staatsregierung zahlt die Hälfte der Beamtengehälter, Renten und sonstigen Ausgaben wie zu Zeiten von König Ludwig I. in Gulden und Kreuzer aus.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken