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Von Velten Schäfer
24.07.2012

Die Welt in Kringeln und Pfeilen

Die dOCUMENTA (13) zeigt Werke des US-amerikanischen Künstlers Mark Lombardi

Kurz nach dem 11. September 2001 erlebten die Kuratoren der »Whitney Museum of Art« in New York eine Überraschung: Plötzlich tauchten Bundesermittler auf - und wollten die Kunst von Mark Lombardi (1951-2000) studieren. Es war freilich nicht so, dass sie dem linksgerichteten Künstler, der sich im Jahr zuvor das Leben genommen hatte, etwas vorzuwerfen hatten. Seine Arbeiten waren aus einem anderen Grund interessant für die Ermittlungen nach dem Anschlag auf das World Trade Center: Viele Namen, die nun plötzlich weltbekannt wurden und Weltgeschichte prägen sollten, tauchten zuvor in seinen Werken auf. So Bush und bin Laden - und das auch noch in einiger Nähe.

Wie politisch Kunst sein könnte oder sollte, ist noch immer ein beliebtes Streitthema - doch Lombardi hatte seine Position gefunden: Auf seine Bilder kam nichts als die reinste Politik. Nicht in Form allegorischer Erzählungen oder historisch-politisch bedeutsamer Szenen, sondern in Form von trockensten Strukturdiagrammen der Macht: Hunderte und Tausende Namen von Firmen, Privatpersonen, Geheimdienstleuten oder Politikern, eingeschlossen in kleine Kringel, verbunden von sechs verschiedenen Sorten von Linien, von denen jede eine bestimmte Beziehung anzeigt. Etwa: »beeinflusst von«, »hat Geld empfangen«, »hat Geld bezahlt« oder auch »Zahlung gescheitert«. Auf dem Diagramm, das das FBI damals interessierte, ging es um die Geschichte der »Bank of Credit and Commerce International« (BCCI), die 1988 in einem bizarren Skandal zwischen westlichen Geheimdiensten, bewaffneten Kräften fast jedweder Sorte und dem großen Geschäft aufflog.

Was die FBI-Ermittler, die Lombardis Werk bei Whitneys tatsächlich eingehend analysierten, mit seinen Informationen angefangen haben, ist zwar nicht bekannt. Doch waren sie nicht die einzigen, die sich für die wandteppichgroßen Skizzen von Geldflüssen und Einflussnahmen interessierten; noch zwei Jahre später tauchten bei den Nachlassverwaltern auch Beamte des »Heimatschutzministeriums« auf. Sie wollten die Grundlagen von Lombardis Arbeit sehen: Eine Sammlung von Tausenden, eng und handschriftlich beschriebenen Karteikarten, eine Art Personenregister, voll von Querverweisen - und jenen kleineren Geschichten, die zeitgenössisch gar nicht auffallen, sondern erst hinterher einen Sinn ergeben.

Ein großer Star ist Lombardi nie geworden. Doch in den letzten Jahren sind seine Arbeiten außerhalb der USA gezeigt worden, 2008 in London, 2011 in Reykjavik - neben der Wall Street zwei der Epizentren der jüngsten Krise des Finanzkapitalismus. Lehmann, AIG, Hedgefonds, Wirtschaftsberater des heutigen US-Präsidenten in ihren alten Beziehungen: Sie alle sind in Lombardi-Bildern, und vielfach kommt man auch vor dem jetzigen Hintergrund vor Lombardis Kringel- und Pfeilpanoramen nicht aus dem Staunen heraus.

Nun hat das deutsche Publikum gleich doppelt Möglichkeit, mit Lombardi bekannt zu werden. Die dOCUMENTA (13) in Kassel (bis 16. September) stellt im Fridericianum eine Auswahl seiner Werke aus, darunter auch das über den BCCI-Skandal, das seinerzeit das FBI interessierte - und die Regisseurin Mareike Wegener hat den sehenswerten Dokumentarfilm »Kunst und Konspiration« über Lombardi geschaffen, der diesen Sommer im Kino läuft.

Der Film endet etwas abrupt mit Lombardis Selbstmord, kurz nach seiner ersten großen Ausstellung, die ihm als Künstler Anerkennung brachte. Seine Mutter sagt gegen Ende des Films, sie habe diesbezüglich noch immer ein paar Fragen. Foto: Verleih

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