25.07.2012
Jerusalem/Damaskus

»Bedeutungslose« Informationen

Israelischer General relativiert Hysterie über syrische Chemiewaffen

Die syrische Regierung kontrolliert laut einem ranghohen Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums nach wie vor das komplette Arsenal chemischer Waffen im Land.

Jerusalem/Damaskus (Agenturen/nd). Zwar kämpfe die Führung um Präsident Baschar al-Assad ums Überleben, doch habe sie die »totale Kontrolle« über Chemie- und Massenvernichtungswaffen, sagte Amos Gilad am Dienstag im israelischen Rundfunk. Befürchtungen, Chemiewaffen könnten in die Hände der radikalislamischen Hisbollah in Libanon geraten sein, zerstreute der General der Reserve. »Nach unseren Informationen besitzt die Hisbollah keine chemischen Waffen aus Syrien, und es wurden auch keine Chemiewaffen an terroristische Organisationen wie Al Qaida geliefert«, sagte Gilad. Die Israelis forderte er auf, sich keine Sorgen über »bedeutungslose« Informationen zu machen. »Die Bürger Israels können ruhig bleiben, sie müssen weder ihren Lebensstil ändern noch in Panik verfallen und irgendwelchen dramatischen Nachrichten Gehör schenken«, sagte Gilad.

Israels Generalstabschef Benny Ganz schloss sich am selben Tag der Einschätzung an, dass Damaskus momentan noch volle Kontrolle über das Chemiewaffenarsenal besitzt. Allerdings schränkte er ein, es sei jedoch möglich, dass Syrien diese Waffen gegen die eigenen Bürger einsetzen oder an die libanesische Hisbollah weitergeben könnte. Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman sagte am Dienstag in Brüssel, Israel sei zum Krieg bereit, sollten chemische Kampfmittel in die Hände der islamistischen Hisbollah gelangen.

Am Montag hatte das syrische Außenministerium erklärt, die Chemiewaffen würden nicht im Inneren eingesetzt und seien zur Abwehr von Angriffen aus dem Ausland entwickelt worden. Das war von westlichen Politikern als Drohung gewertet worden. Daraufhin schob Syrien am Dienstag eine Klarstellung nach und erklärte, man würde Chemiewaffen auch nicht gegen Israel richten.

Berichte der oppositionellen »Freien Syrischen Armee« vom Dienstag, dass die Regierung Chemiewaffen an grenznahe Flughäfen habe verlegen lassen, konnten nicht verifiziert werden.

Angeblich sind Teile der Opposition zu einer Übergangsregierung unter einem Vertrauten von Präsident Assad bereit. »Wir sind mit einem Rückzug Assads und der Übertragung seiner Aufgaben an eine der Persönlichkeiten des Regimes einverstanden«, sagte ein Sprecher des Syrischen Nationalrates am Dienstag AFP. Laut einer späteren Meldung sagte hingegen eine Sprecherin: »Es bestand nie die Frage einer Regierung der nationalen Einheit unter Führung eines Mitglieds des Regimes.«