Von Jürgen Amendt
27.07.2012

Lohndumping in der Weiterbildung

Wie viel ist dem Staat die Aus- und Weiterbildung wert? Nicht viel. Lohndumping gehört in der Branche zum Alltag. In den Integrationskursen für einbürgerungswillige Ausländer zum Beispiel werden die freiberuflichen Lehrkräfte kaum über Hartz-IV-Niveau bezahlt. Bei Bruttoeinkommen von kaum mehr als 1000 Euro im Monat - bei Vollzeitbeschäftigung, wobei die Ausgaben zur Sozialversicherung und die Betriebskosten noch abgezogen werden müssen - bleiben nicht einmal 600 Euro netto übrig. Und das bei hohen Qualitätsanforderungen seitens der zuständigen Behörden: Die Pädagogen müssen einen Hochschulabschluss und zahlreiche Zusatzqualifikationen nachweisen. In anderen Bereichen der Aus- und Weiterbildungsbranche sieht es nicht viel besser aus.

Ein Skandal, der von der Politik jahrelang geduldet wurde. Dass vor wenigen Wochen auf Druck der Gewerkschaften für die gesamte Branche ein Mindestlohn vereinbart wurde, war überfällig. Künftig sollen Lohnuntergrenzen von 12,60 Euro in Westdeutschland und 11,25 Euro in Ostdeutschland gelten. Die schlimmsten Auswüchse des Lohndumpings werden damit sicherlich unterbunden. Allein: In der Praxis muss die Wirksamkeit dieser Lohnuntergrenze erst noch unter Beweis gestellt werden. Nicht unüblich war es bisher bei manchen Trägern, Stundensätze nur auf dem Papier zu bezahlen; berichtet wurde von Sprachschulen, die Honorarkräfte mit weniger als 12 Euro Stundensatz abspeisten, sie aber unterschreiben ließen, dass sie 15 Euro Vergütung erhalten. Die Betroffenen haben es notgedrungen akzeptiert. Die Mitteilung der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, künftig hätten Träger, die ihren Beschäftigten den Mindestlohn vorenthielten, ausgedient, ist zunächst einmal nur eines: Ausdruck von Hoffnung.


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