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27.07.2012

Minijobs sind eine Falle

Studie: Frauen müssen sich Arbeit teilen / Weibliche Leiharbeit expandiert

Eine Studie belegt: Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre hat vor allem Frauen in schlechte Arbeitsverhältnisse abgedrängt. Die Autorin fordert ein Ende der Minijobs.

Mehr arbeitende Frauen sind EU-Ziel: Bis 2010 sollte eine Beschäftigungsquote von 60 Prozent realisiert werden. Deutschland erfüllt das seit 2005, im Jahr 2010 waren 66 Prozent der Frauen erwerbstätig.

Dies allerdings, wie eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausstellt, zu problematischen Bedingungen: »Die zunehmende Erwerbsteilhabe von Frauen erklärt sich (…) zu einem beträchtlichen Teil damit, dass Frauen vornehmlich in Beschäftigungsverhältnissen mit geringem Stundenumfang tätig sind«, so die Untersuchung von Alexandra Manske.

Während nur etwa sechs Prozent der erwerbstätigen Männer in Teilzeit arbeiten, stecken 35 Prozent der arbeitenden Frauen in solchen Verhältnissen, oft in Minijobs. Noch im Jahr 2000 waren es nur 27 Prozent. Der Anteil der Frauen an der Teilzeitarbeitnehmerschaft beträgt inzwischen 83 Prozent. Zudem ist das Ansteigen der absoluten Zahl erwerbstätiger Frauen nicht mit einer Ausweitung des Arbeitsvolumens verbunden. Im Gegenteil sind die wöchentlich geleisteten Frauen-Arbeitsstunden zwischen 2001 und 2006 von 30,2 auf 29,1 Stunden gesunken. Die steigende Zahl berufstätiger Frauen gehe also »auf eine Neuverteilung von Arbeitsvolumina zwischen Frauen« zurück. Ein Großteil von ihnen bleibe »von einer eigenständigen Existenzsicherung weit entfernt«, schreibt die Soziologin.

Neu ist der Studie zufolge, dass Frauen zunehmend in der Leiharbeit eingesetzt werden, die lange als Männerdomäne galt. Inzwischen ist auch ein Drittel der Leiharbeiter weiblich. Diese Tendenz erklärt Manske damit, dass sich die Leiharbeit »deutlich in frauendominierte Dienstleistungsbranchen« ausgeweitet habe. Insofern sei die Leiharbeit »auf dem Weg zu einer gemischtgeschlechtlichen Branche«. Im Metall- und Elektrobereich ist Leiharbeit auf dem Rückzug, während sie etwa in der Pflege boomt. Zwischen IG Metall und der Gewerkschaft ver.di gibt es vor diesem Hintergrund Kontroversen um eine tarifliche Eindämmung der Leiharbeit.

Zehn Jahre nach Beschluss der Agenda 2010, die »atypische« Arbeit gefördert hatte, liegt für Manske »die Vermutung nahe, dass der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre vor allem Frauen in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrängt hat«.

Laut Studie müssen vor allem die Minijobs zurückgedrängt werden. Diese erwiesen sich als biografische Falle für die Beschäftigten. Bereits der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung hatte 2011 gefordert, die Förderung der Minijobs einzustellen. Seite 17

Internet: rosalux.de/Publikationen

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