Von Andreas Fritsche
31.07.2012

Nazis feiern SS-Verbrecher Priebke

Rechte marschieren mit Pappmasken durchs brandenburgische Hennigsdorf

Nach einem Aufzug von bis zu 40 Nazis in Hennigsdorf ermittelt die Polizei unter anderem wegen Volksverhetzung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Dass der SS-Mann Erich Priebke während des Zweiten Weltkriegs in Italien ein Kriegsverbrechen verübte, ist einigermaßen bekannt. Schließlich wurde ihm Ende der 1990er Jahre in Italien langwierig der Prozess gemacht. Dass der damals Verurteilte aber am 29. Juli 1913 im brandenburgischen Hennigsdorf geboren wurde, wussten in der Stadt bislang nur wenige. Neonazis haben jetzt für Aufmerksamkeit gesorgt. Sie zogen am Freitagabend mit Pappmasken mit dem Gesicht Priebkes durch Hennigsdorf. Auch durch die mitgeführten Transparente und die gerufenen Losungen wurde deutlich, dass es den Tätern darum ging, den Kriegsverbrecher zu verherrlichen. So etwas hat es bisher in Hennigsdorf noch nicht gegeben, bestätigte gestern Toralf Reinhardt, Pressesprecher der Polizeidirektion Nord.

Der Aufzug war nicht angemeldet. Gegen 22.30 Uhr gingen bei der Polizei mehrere Hinweise von Bürgern ein, »dass sich etwa 20 bis 40 teilweise vermummte Personen in der Hennigsdorfer Innenstadt aufhalten und mit brennenden Fackeln durch die Straßen ziehen«, heißt es im Polizeibericht. Dabei sollen die Neonazis mehrfach verfassungsfeindliche Parolen gerufen haben. Kurz vor dem Eintreffen der Beamten »ließen sie ihre Fackeln fallen und flüchteten in verschiedene Richtungen«. Es konnte die Identität mehrerer Teilnehmer des Fackelzugs festgestellt werden. Einige sind der Polizei bereits wegen rechtsgerichteter Straftaten bekannt. Nun wird ermittelt: wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wegen Volksverhetzung und Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz.

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Erich Priebke feierte am Sonntag seinen 99. Geburtstag. Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes befindet er sich zwar nicht im Gefängnis. Er steht aber in Italien unter Hausarrest.

Priebke beteiligte sich 1944 bei den Ardeatinischen Höhlen, einem Steinbruch unweit von Rom, an der Erschießung von 335 Geiseln. Dies sollte eine Vergeltung sein für einen Bombenanschlag kommunistischer Partisanen, bei dem auch 33 Soldaten einer SS-Polizeigrenadierdivision ums Leben kamen. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Priebke aus dem alliierten Kriegsgefangenenlager Rimini flüchten und mit Hilfe der katholischen Kirche nach Argentinien entkommen. Erst 1995 wurde er nach Italien ausgeliefert.

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