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Von Oliver Eberhardt
01.08.2012

Den Brotkorb höher gehängt

Israel hebt die Mehrwertsteuer auch für Nahrungsmittel an

Israels Regierung hat drastische Steuererhöhungen und Einsparungen im Sozialsystem beschlossen - obwohl mittlerweile täglich Menschen gegen die zu hohen Lebenshaltungskosten demonstrieren. Der Beschluss betrifft auch die Palästinenser.

Tag für Tag versammeln sich Menschen in Tel Aviv, aber auch in anderen Städten auf öffentlichen Plätzen, um mehr soziale Gerechtigkeit zu fordern. Am Dienstagnachmittag waren es sichtbar mehr als sonst, und die Stimmung war noch um einiges geladener: Ein »Tritt in die Weichteile«, sei das, was die Regierung nun mache, beschrieb ein Demonstrant im Armeeradio seine Gefühle. Und die Medien beschreiben den jüngsten Regierungsbeschluss als »komplett unverständlich« (»Ha'aretz«), als »jüngsten Beweis für den allumfassenden Realitätsverlust der Politik« (»Jedioth Ahronoth«).

Das hatte die Regierung am Montag beschlossen: Mit sofortiger Wirkung steigt die Mehrwertsteuer um zwei auf 17 Prozent, und zwar auch auf die bisher steuerbegünstigten Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch. Außerdem steigt die Einkommenssteuer für mittlere und höhere Einkommen. Und: Eine ganze Reihe von Ressorts muss Einschnitte hinnehmen, darunter das Gesundheitssystem. Die Folge werden höhere Zuzahlungen für Medikamente und Arztbesuche sein. Bei einem Durchschnittseinkommen von 8000 Schekel, das sind rund 1600 Euro, werde die Mehrbelastung für eine vierköpfige Familie damit bei mindestens 160 Schekel, 32 Euro, im Monat liegen; im Krankheitsfall kann die Mehrbelastung auf 1000 Schekel im Monat wachsen, hat die Zeitung »Jedioth Ahronoth« ausgerechnet.

Dieser Schritt sei notwendig geworden, um Israel für die weltweite Finanzkrise zu wappnen, sagen Sprecher der Regierung. Doch der Beschluss ist auch in der Koalition heftig umstritten: Sieben Stunden brauchte das Kabinett, bis sich eine hauchdünne Mehrheit fand.

Das Spar- und Steuerpaket betrifft nicht allein Israelis - es wird auch erhebliche Auswirkungen auf die palästinensischen Gebiete haben. Denn während die Hamas im Gaza-Streifen ihre eigenen Mehrwertsteuern erhebt, besteht zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland und Israel ein recht kompliziertes Steuerabkommen. Der Kern: Produkte, die in Israel produziert oder über Israels Häfen importiert werden, unterliegen der israelischen Umsatzsteuer, die dann dem Abkommen zufolge mit der der Autonomiebehörde verrechnet wird. Bis jetzt war das kein Problem, weil die Umsatzsteuersätze nahezu gleich hoch waren. Zeitweise hielt Israel die daraus resultierenden Überweisungen als Druckmittel zurück; derzeit nicht.

Die Palästinensische Autonomiebehörde braucht dringend Geld. Deshalb betonen israelische Regierungssprecher, das Sparpaket komme ihr zu Gute, weil es zusätzliche Einnahmen in ihre Kassen spüle. Doch das palästinensische Finanzministerium betrachtet den israelischen Schritt, der nicht abgesprochen war, mit gemischten Gefühlen. Zwar verschaffe er zusätzliche Einnahmen, doch für die palästinensische Bevölkerung müsse am Ende mit steigenden Lebenshaltungskosten gerechnet werden.

Kommentar Seite 4

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14 Kommentare

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  • Ani-metaber / 31. Jul 2012 22:03

    Man hat die Führung ja so gewählt

    Laut Ha´aretz gibt es Berechnungen, nach denen die Regierung des Kolonistenstaates 1,6 Milliarden Schekel, also ca. 320 Millionen € einsparen könnte, wenn sie für die Siedler im Rest des Westjordanlandes – also ohne Ostjerusalem – lediglich so viel Geld für die Grundbedürfnisse ausgeben würde, wie im eigentlichen Israel.

    "If the government would just make per capita spending for residents of the settlements equal to spending for the rest of the country's citizens, we would be able to cancel the widespread [budget] cuts and significantly reduce tax increases," said Peace Now head Yariv Oppenheimer

    www.haaretz.com/news/national/israeli-government-spent-nis-1-1-billion-on-settlements-in-2011-reports-show-1.454790

    In diesem Zusammenhang darf an die Bundesregierung in Berlin erinnert werden, die es sich einiges kosten lässt, damit der Einwandererstaat auch noch Großmacht auf hoher See spielen darf.

  • guenter1952 / 01. Aug 2012 07:27

    Da taucht sofort die Befürchtung auf,

    das demnächst wieder größere Geldsummen von Israel
    gefordert werden- von Deutschland.
    Da gehe ich jede Wette ein.....

  • Ani-metaber / 01. Aug 2012 11:47

    Zweckgebundener Einsatz von Geld im Einwandererstaat

    Im DLF wurde gestern ein Feature, dem man auch den Titel Wohnraum- und Stadtplanung als Teil israelischer Annexions- und Vertreibungspolitik in Jerusalem hätte geben können, gesendet.

    Es trug den Titel „Heilige Erde, Küche, Diele, Bad“ und den Untertitel
    „Der Jerusalemer Wohnungsmarkt und die internationale Politik“

    zum Hören oder dazu gewünschtem Runterladen
    ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2012/07/31/dlf_20120731_1915_d05ae1c8.mp3

    zur Webseite:
    www.dradio.de/dlf/sendungen/dasfeature/1789056/

  • Rotspoon / 01. Aug 2012 13:47

    Das Gute an den innerisraelischen Problemen ist

    daß die anstehenden Probleme/Widersprüche von den Israelis (das sind jüdische und palästinensische Staatsbürger) GELÖST werden müssen. Sollten DIEDAOBENin Israel ineinenneuenKrieg flüchten, werde die Judenam Ende desselben möglicherweise flüchten müssen. Onkel Säms Arm reicht nochweit,ist aber schon recht schwach.

  • Sissyfuss / 02. Aug 2012 04:00

    Re: Da taucht sofort die Befürchtung auf,

    Das wäre wirklich gemein, wo Deutschland den Juden doch schon so viel gegeben hat: Auschwitz, Treblinka, Theresienstadt, Babi Jar, …

  • guenter1952 / 02. Aug 2012 07:31

    Re: Re: Da taucht sofort die Befürchtung auf,

    das die heute zwanzigjährigen Deutschen weiter für die heute zwanzigjährigen Israelis Geld bezahlen sollen.
    Aber diese Befürchtung selbst ist natürlich schon tiefster Antisemitismus,
    und es ist eine Riesenschweinerei, das solche Gedanken überhaupt geäussert werden dürfen.

  • Eton / 02. Aug 2012 11:48

    Re: Re: Re: Wieso Befürchtung ?

    Nein, @Guenther1952, dass „die heute zwanzigjährigen Deutschen weiter für die heute zwanzigjährigen Israelis Geld bezahlen sollen“ wäre zu verschmerzen, wenn D endlich Israels Regierung dazu zwingen würde, eine andere Politik als bisher gegenüber seinen Nachbarn zu betreiben. Wer glaubt, nur mit der Faust sein Recht verteiden zu können, wird dabei am Ende gründlich verlieren (und wir gleich mit!). Die einzigen, die das ändern könnten, wenn sie denn wollten und man sie ließe, wären die heute 20jährigen Israelis (die teilweise nicht einmal in Israel geboren wurden).

  • guenter1952 / 02. Aug 2012 16:36

    Re: Re: Re: Re: Wieso Befürchtung ?

    Im Moment ist es wohl eher so, das die Regierung Israels die deutsche REgierung "zwingt", eine bestimmte Haltung einzunehmen.
    Denn es ist nicht nur so, das Deutschland die menschenverachtende Politik der Israelis gegen die Palästinenser toleriert, DEutschland unterstützt diese
    Politik. Mit viel Geld, politisch, und militärisch.

  • Rotspoon / 02. Aug 2012 18:43

    Re: Re: Re: Re: Re: Wieso Befürchtung ?

    Also günti, das könnte ja auch so sein: Nach dem tschörtschel gemeinsam mit trumen im Einvernehmen mit djugaschwili den EISERNEN VORHANG hoch gezogen hatte, spalteten sie das Nachkriegsdeutschland, bedachten den von ihnen kreierten Spalterstaat mit Aufbauhilfe, erließen ihm jegliche Kriegsreparationen und verlangten dafür ewige Bündsnistreue bis 2099. Im Kanzlervertrag (google diesen) haben sie das aufgeschrieben, u.a. steht da etwas von unbedingter NATO-Treue und Finanzierung gewisser Wünsche Israels, dem Pfahl im arabischen Ölteich. Es sind also keine Forderungen "der Juden" oder "der Israelis",sodern es gilt schlicht der Grundsatz "Pacta servanda sunt"

  • vlun / 02. Aug 2012 19:06

    Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wieso Befürchtung ?

    Zitat:
    "... verlangten dafür ewige Bündsnistreue ..."
    Zitatende

    @Rotspoon: Nehme mal an, Du meinst die berühmte "Kanzler_akte_"?
    Willy Brandt soll angeblich bisher der erste und einzige Kanzler gewesen sein, der die Unterwerfungserklärung nicht unterschreiben wollte.

  • Eton / 02. Aug 2012 20:54

    Wem nützt es?

    Ein Wesentliches ist tatsächlich die Vasallentreue der BRD zu den USA, ebenso wie Israel Stellvertreter der US-Interessen im ölreichen Nahen Osten ist und dazu in den USA von der Israel-Lobby unterstützt und abgeschirmt wird. Es ist doch verständlich, wenn sich zwei Satelliten-Staaten gegenseitig "unter die Arme greifen". Nur, dass sich auch in Israel bestimmte, scheinbar unumstößliche soziale "Tatsachen" zu verändern beginnen, wobei wir die (Reste der) Linken Israels und die heranwachsende Jugend unterstützen müssten! Das Nationale oder Ethnische wird von der Presse und den Politikern nicht grundlos so überhöht dargestellt, um die soziale Komponente nur ja nicht grenzüberschreitend ins Spiel zu bringen. Die Zuwanderungen der letzten 20 Jahre, auch aus der zerfallenden Sowjetunion, scheinen eine gewisse Spätwirkung auf die lokalen sozialen Auseinandersetzungen in Israel zu gewinnen.

    Eine einigermaßen seriöse Darstellung zur "Kanzlerakte" findet man übrigens hier:
    www.nordbruch.org/speeches-essays-publications/die-%C2%BBkanzlerakte%C2%AB
    Scheint so, dass viele andere von Dr. Claus Nordbruch nur abschreiben.

  • Eton / 02. Aug 2012 21:12

    Re: Wem nützt es? NACHTRAG

    1. Damit zu Dr. Claus Nordbruch keine Missverständnisse entstehen, lese man bei Wiki über ihn nach:
    de.wikipedia.org/wiki/Claus_Nordbruch

    2. Den obenstehenden Satz "Es ist doch verständlich, wenn sich zwei Satelliten-Staaten gegenseitig 'unter die Arme greifen'." hatte ich mit einem Ironie-Tag gekennzeichnet, aber den zeigt diese SW im Editor zwar an, duldet oder kennt ihn jedoch leider nicht. Sorry!

  • Rotspoon / 02. Aug 2012 22:19

    Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wieso Befürchtung ?

    Hat aber und Egon Bahr plauderte danach aweng aus dem Nähkästchen

  • vlun / 03. Aug 2012 11:47

    Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Re: Wieso Befürchtung ?

    @Rotspoon: Laut Egon Bahr hat er unterschrieben. Willy Brandt werden sicherlich während seiner Zeit als Regierender Bürgermeister noch ganz andere Schriftstücke vorgelegt worden sein. Es ist eben die Frage, ob Egon B. sich an Tatsachen gehalten hat, als er seine Erinnerungen niedergeschrieben hat. Wir waren nicht dabei und werden "die Wahrheit" auch nicht mehr erfahren.
    Falls es diesbezügliche Akten gegeben haben sollte, sind sie vermutlich längst geschreddert / verbrannt / im Giftschrank / in irgendeinem Bergwerksstollen ... Liste kann beliebig verlängert werden. ;-)

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