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Oliver Händler
01.08.2012

Buuuh Tyler!

Wer in den Olympic Park hinein will, muss durch ein riesiges Einkaufszentrum laufen. »Eindeutiger kann man ja nicht mehr zeigen, dass es bei Olympia nur noch ums Geld geht«, sagt ein Kollege, mit dem ich gerade durch jene Arkaden hetze. »Ja klar«, denke ich ganz automatisch. Nur den knapp 10 500 Sportlern hat das wohl noch keiner gesagt.

Die trainieren vier Jahre bei Wind und Wetter stundenlang fast täglich, um eine Medaille zu gewinnen. Viele sogar, um einfach nur hier sein zu dürfen. Dabei könnten sie in derselben Zeit doch Fotoshootings mit Sponsoren oder Homestory-Interviews mit Journalisten machen.

Alles Quatsch. Die Sportler laufen hier mit strahlenden Gesichtern durch die Gegend, das Herz gefüllt mit olympischem Geist. »Jeder hier kann etwas besonders gut. Das macht Olympia aus«, sagt Hockeyspieler Benjamin Wess. »Wer am Flughafen zum ersten Mal die fünf Ringe sieht, denkt in dem Augenblick an nichts Böses.« Und wenn doch irgendwann verloren wird, ist immer nur »ein Traum geplatzt«, kein Scheck.

Die Sponsoren sind heute Teil der Maschine Olympia, doch ihre Werbung im Fernsehen kann man abschalten. Im Einkaufszentrum muss niemand etwas kaufen, beim Fast-Food-Laden muss niemand einen Burger essen. Die Schnitte von daheim tut's auch.

Sicherlich braucht das besondere Erlebnis Olympia nicht so viel Geld, nicht so viel Neues, nicht so viel Großes. Aber wer den Kommerz ins Zentrum von allem stellt, mindert die Leistungen der Stadionbauarbeiter, der freiwilligen Helfer und natürlich der Athleten.

Meine Lieblingsszene der Spiele bisher geschah bei einem Konzert, das ein Brausehersteller und Olympiasponsor im Hyde Park veranstaltete. Der 19-jährige Tyler Ritz trug die olympische Fackel in den Hyde Park, und 80 000 Menschen jubelten dazu. Jetzt waren auch sie Teil Olympias. Tyler nahm das Mikro in die Hand und sagte, er danke Coca Cola, dass er hier stehen dürfe. Aus »Hey Tyler!« wurde »Buuuuh Tyler!« Die Gehirnwäsche hatte nur bei einem von 80 000 funktioniert. So schlecht ist die Quote gar nicht.

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