Von Gudrun Janicke, dpa
02.08.2012

Bedrohte Methusalems

In Brandenburg gibt es Tausende geschützte Baumriesen - zur Pflege fehlen aber oft Zeit und Geld

Ein kleines Schild mit einer stilisierten Eule auf gelbem Grund: Mit diesem Zeichen werden auch Bäume geadelt - in Brandenburg gibt es mehrere Tausend davon. Sie sind selten, besonders alt oder haben eine besondere Geschichte.

Potsdam. Eine schwedische Gräfin soll ihren gefallenen Bräutigam während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) unter einer Linde in Brielow (Potsdam-Mittelmark) begraben haben. Der Baum steht heute noch und gehört zu den Baum-Exemplaren in Brandenburg, die als Naturdenkmal ausgewiesen wurden.

Die genaue Zahl ist nicht zu bestimmen, da keine landesweiten Listen geführt werden, sagt Landschaftsplaner Jürgen Peters von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde. In Brandenburg gibt es zwischen 4000 und 5000 Naturdenkmale - etwa 90 Prozent sind Bäume. Erfasst werden sie von den Unteren Naturschutzbehörden der Landkreise, die entscheiden, was schützenswert ist und was einfach nur schön aussieht.

Naturdenkmale sind bedeutende Einzelschöpfungen der Natur, deren besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen, erdgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen erforderlich ist - oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenheit oder Schönheit. »Naturdenkmale waren die ersten Kinder eines sich entwickelnden Naturschutzes«, erklärte kürzlich Brandenburgs Umweltministerin Anita Tack (LINKE). Seit 1992 ist das Brandenburgische Naturschutzgesetz in Kraft. Schützenswerte Naturdenkmale können Felsen, Höhlen, Findlinge, Gletscherspuren oder eben auch besondere Bäume sein.

Brandenburgs dickste Feldulme - Umfang zehn Meter - steht im Dorf Gülitz (Prignitz). Schätzungen zufolge ist sie etwa 400 bis 850 Jahre alt. Spitzenreiter bei den Eichen sind zwei Bäume in Gadow (Prignitz) mit knapp neun Metern und mit zehn Metern Stammumfang in Krügersdorf (Oder-Spree). Versteckt am Ostufer des kleinen Pinnowsees im Biosphärenreservat Schorfheide (Barnim) findet sich die Silke-Buche, ein massiger Baum mit Dutzenden ausladenden Ästen. Sie ist etwa 30 Meter hoch und sechs Meter dick - in 200 Jahren könnte sie vielleicht die dickste Buche im Land sein. Eine imposante Erscheinung ist auch die 200 Jahre alte sogenannte Malerkiefer in Storkow (Oder-Spree) mit vier verzweigten dicken Stämmen.

Für Baumexperte Peters ist die Einschätzung eines Baumes als Naturdenkmal wie ein hoher Lotto-Gewinn. »Es ist dann aktenkundig, dass er geschützt werden muss«, sagt er. »Gefällt werden darf dann der Baum nicht mehr.« Unabhängig davon, welchem Bauprojekt er möglicherweise im Wege stehe. Für die Wissenschaft seien die Bäume ein reines Eldorado: seltene Insekten, Vögel und Kleinsäuger würden dort unterkommen.

Aber natürliche Alterungsprozesse der Methusalems seien schwer aufzuhalten, sagt Peters. Saurer Regen wie zu DDR-Zeiten sei heute nicht mehr das Problem. Schwachpunkt sei der Wurzelraum, der durch Bodenverdichtung oder Überbauung bedroht ist. Wenn die Wurzeln durch Erosionen frei liegen, könne der Baum bei einem schweren Sturm kaum Widerstand leisten. »Die zunehmende Intensivierung der Landnutzung ist ein weiteres Problem.« Im Idealfall kümmern sich die Landkreise regelmäßig um ihre Naturdenkmäler und schauen, wie der Zustand ist. »Doch meist fehlt es an Zeit und Geld«, meint der Wissenschaftler.

Neben dem Schutz von Einzelschöpfungen der Natur setzt sich Brandenburg auch für den Erhalt von Arten und Lebensräumen ein. Nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der Europäischen Union ist ein ganzes Netz von Natura 2000-Gebieten geschützt. 26 Prozent der Landesfläche werden von 620 FFH-Gebieten und 27 Vogelschutzgebieten eingenommen. Das größte FFH-Gebiet ist das Untere Odertal mit knapp 11 000 Hektar, das kleinste eine Wochenstube für Fledermäuse in Eberswalde. Zu den geschützten Naturschutzflächen des Landes gehören auch elf Naturparks, drei Biosphärenreservate und ein Nationalpark.

Jeder vierte Waldbrand in Deutschland wurde im vergangenen Jahr aus Brandenburg gemeldet. Laut Waldbrandstatistik des Bundes wurden in dem Bundesland 2011 bei 225 registrierten Bränden 46 Hektar Wald zerstört. Die größte Brandfläche waren drei Hektar bei Doberlug-Kirchhain. Von den 2011 registrierten Waldbränden waren nach Angaben des Brandenburger Landesforstbetriebes 170 große und größere Brände. Nur bei 14 Bränden gehen die Behörden von einer natürlichen Ursache aus. Der Gesamtschaden belaufe sich auf rund 108 000 Euro. (epd/nd)

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