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Von Oliver Händler, London
02.08.2012

Der lachende Dritte

Marcel Nguyen gewinnt Silber im Turnmehrkampf hinter dem Japaner Kohei Uchimura

Marcel Nguyen saß auf dem Boden, seinem letzten Gerät, und putzte sich die Füße. Jetzt brauchte er sicheren Stand. Als letzter Turner ging der Münchner im olympischen Mehrkampffinale von London ans letzte Gerät. Davor hatte er auf Rang drei gelegen. »Ich wusste, mit einer guten Übung ist Silber drin. Also dachte ich: Turn einfach, wie du es im Training gemacht hast.« Gesagt, getan. Nguyen holte sensationell Silber.

»Er hat heute den Wettkampf seines Lebens geturnt«, war sein Trainer Waleri Belenki noch enthusiastischer als sein Schützling, der endgültig aus dem Schatten von Vizeweltmeister Philipp Boy und Fabian Hambüchen turnte. Den Sieg sicherte sich eindrucksvoll der große Favorit Kohei Uchimura aus Japan. Bronze ging an den US-Amerikaner Danell Leyva. Hambüchen wurde nur 14.

Der hatte zwar stark am Boden begonnen, doch schon am Pauschenpferd unterlief ihm im Angang ein Flüchtigkeitsfehler, für den er mit 13,266 Punkten hart bestraft wurde. Ein Protest der deutschen Mannschaft gegen die Wertung wurde abgewiesen. Die Medaillenträume musste Hambüchen endgültig begraben, als er beim Sprung stürzte.

Zum gleichen Zeitpunkt turnte Marcel Nguyen an seinem Paradegerät Barren die beste Übung des Abends. Schon an den Ringen war keiner besser als der Münchner. Da er auf einmal auf Platz drei lag, wurde sein Name in der Arena ausgerufen, und Nguyen musste lächeln. So weit vorn hatte ihn niemand erwartet, auch er selbst nicht. Lediglich die 13,666 Punkte am Anfangsgerät, dem Pauschenpferd, waren unterdurchschnittlich, aber einkalkuliert. »Da lag ich zwar weit hinten, aber dann konnte ich eine schöne Aufholjagd starten«, sagte Nguyen.

Nach einer tollen Flugshow am Reck lag der 24-Jährige vor dem letzten Durchgang immer noch auf dem Bronzeplatz, doch die Konkurrenz war nah. Gleich sechs Turner lagen weniger als einen Punkt hinter ihm. Ein Sturz, und sie wären vorbei. Die Frage schien nur, ob Nguyen Bronze halten könnte. »Ich habe mir die Übungen der anderen angesehen und sah, dass der Japaner Tanaka vom Pferd gefallen war«, war sich Nguyen nun sogar seiner Chance auf Silber bewusst. Die nutzte er.

Tanakas Landsmann Uchimura war da längst enteilt. Dreimal war er bereits Weltmeister, nun holte er sich Olympiagold ab, nachdem ausgerechnet er durch einen seltenen Patzer am Pauschenpferd noch Japans Mannschaftsgold aus der Hand gegeben hatte. »Diesmal bin ich an dem Gerät eingestiegen. Das war sehr gut, weil ich durch eine gute Übung viel Selbstvertrauen zurück bekommen habe«, so Uchimura. Sein Sprung in den perfekten Stand war der beste des Abends. An Pferd, Ringen und Reck war er jeweils Zweiter. Vielseitigkeit, die ihresgleichen sucht.

Auch Uchimura turnte nicht ganz fehlerfrei, doch er ist der einzige Turner der Welt, der mit seiner Schnelligkeit gepaart mit Eleganz noch über 15 Punkte für eine Bodenübung erhält, obwohl er bei einer Bahn die Hände zu Hilfe nehmen musste, um einen Sturz zu verhindern.

Die deutschen Turner bestimmen hinter dem Japaner die Weltspitze mit. Nguyen an Boden und Barren sowie Hambüchen am Reck wollen das in den kommenden Tagen in den Gerätefinals mit weiteren Medaillen untermauern.

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