Von Uwe Kraus, Goslar
03.08.2012

Ostharz abgehängt

Die Bahnverbindung zwischen Hannover und Halle soll wegfallen - mit weitreichenden Folgen

Die Oberbürgermeister im Ostharz haben einen Protestbrief geschrieben. Ihr Problem ist das niedersächsische Bahnkonzept.

Das niedersächsische »Regionalbahnkonzept 2014 plus« bringt für Sachsen-Anhalt ein dickes Minus. Die Tourismusregion Harz soll in zwei Jahren nicht mehr direkt mit den Ost- und Westgroßstädten Halle und Hannover verbunden sein. Im niedersächsischen Goslar werden dann die Signale auf Rot gestellt, Urlauber, Tagesgäste und Pendler müssen umsteigen. Nach 14 Jahren wird die im Expo-Jahr gefeierte Ost-West-Trasse »gebrochen«. Die zweistündliche RE-Linie Halle - Hannover wird dann nicht mehr über Bad Harzburg fahren und in Goslar enden, wo dann Anschluss an die RE-Linie Bad Harzburg - Hannover besteht.

Aus den aufgeblühten Ostharzorten zwischen Thale und Brocken kommt Protest, weil man rückläufige Zahlen besonders bei den Tagestouristen befürchtet. Während man im sachsen-anhaltischen Verkehrsministerium einen weiteren politischen Anlauf in dieser Sache für wenig sinnvoll erachtet, haben die beiden Landesregierungen und die beteiligten Bahnunternehmen Post bekommen - von den Oberbürgermeister der Harzstädte Halberstadt, Quedlinburg und Wernigerode, Andreas Henke (LINKE), Eberhard Brecht (SPD) und Peter Gaffert (parteilos).

»Mit Befremden haben wir die geplante Streichung der durchgehenden Bahnlinie zwischen Hannover und Halle ab Dezember 2014 zu Kenntnis genommen«, so die Oberbürgermeister der drei touristisch bedeutenden Städte des sachsen-anhaltischen Harzes. Es sei nicht hinnehmbar, dass der ohnehin nur drittklassig an das überregionale Schienennetz angebundene Ostharz weiter abgekoppelt würde. Diese Entscheidung habe »nachhaltig negative Auswirkungen auf den Tourismus sowie das Tagungsmanagement« ihrer Städte. Mit Blick auf die demografische Entwicklung in Deutschland, das sich zunehmend zugunsten der Bahnnutzung entwickelnde Reiseverhalten vieler Gäste und die Investitionen insbesondere auf dem harznahen Streckenabschnitt gehe eine Netzunterbrechung in die falsche Richtung. Vielmehr sei ein weiterer Ausbau des Schienennetzes angezeigt, »um die Tourismusregion Harz weiterhin für viele Millionen Gäste attraktiv zu halten«.

Für den Harzer André Lüderitz, Sprecher für Umweltpolitik der LINKE-Landtagsfraktion in Magdeburg, ist die Unterbrechung der Linie ist ein herber Rückschlag für das Zusammenwachsen der Harzregion und deren touristische Entwicklung. Vom Slogan »Drei Länder - ein Harz« sei im wahren Leben dann wenig zu spüren. Die Harzer LINKE stimme mit dem Landrat Michael Ermrich (CDU) »1:1 überein«, wenn der fordere, den Bahnverkehr im gesamten Harz mit einem länderübergreifenden Harzticket attraktiver zu gestalten und Verbindungen auf der Schiene verlangt, die nicht an der Ländergrenze enden.

Reisende und Bahnexperten hatten immer wieder die Störanfälligkeit der dieselgetriebenen Züge mit Neigetechnik kritisiert, mit denen auf der 250 Kilometer langen, teuer ausgebauten Strecke kürzere Reisezeiten versprochen waren. Doch der Neige-Effekt wurde häufig ausgeschaltet und sorgt für Verspätungen. Für diese spritfressenden und wenig komfortablen Züge kommt das Aus ebenfalls spätestens Ende 2014. Auf den Nahverkehrslinien im Osten Niedersachsens rollen dann ALSTOM Coradia LINT 54.

Welches Bahnunternehmen das »Regionalbahnkonzept 2014 plus« aber umsetzen wird, ist noch offen. In das Ausschreibungsverfahren eingebunden sind neben der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen der Zweckverband Großraum Braunschweig, die Region Hannover, der Nordhessische Verkehrsverbund sowie die Nahverkehrsservicegesellschaft Thüringen. Sachsen-Anhalts Nahverkehrsservice-Gesellschaft ist nicht dabei.