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Von Norman Paech
04.08.2012
Gastkolumne

US-Wahlkampf in Jerusalem

Nichts zeigt den Einfluss der Israel-Lobby auf die US-Außenpolitik deutlicher als die Reisen zweier Repräsentanten der Republikaner und Demokraten an den Hof Netanyahus. Kaum hatte Mitt Romney Jerusalem zur Hauptstadt Israels erklärt, die militärische Option zur Verhinderung einer atomaren Rüstung Irans wie auch die Souveränität Israels bei der Entscheidung bekräftigt, ob und wann es gegen Iran losschlägt, da eilte Obamas Verteidigungsminister Leon Panetta herbei, um ins gleiche Horn zu stoßen. Er konnte es sich zwar nicht leisten, ebenfalls die Hauptstadt-Melodie zu spielen, denn es ist offizielle US-Position - wie die aller anderen Staaten der UNO -, die faktische Annexion Jerusalems durch Israel nicht anzuerkennen. Die Drohung gegen Iran unterschied sich in Inhalt und Schärfe aber nicht von der des republikanischen Wahlkämpfers.

Obama und Romney buhlen um das Prädikat »größter Freund Israels«. Sie hoffen, bei den noch unentschiedenen Wählern mit den schärfsten Drohungen gegen Iran zu punkten. Obama und Panetta wird unterstellt, dass es ihnen vordringlich darum gehe, einen Angriff Israels vor den Wahlen zu verhindern. Das mag sein, dafür gibt es gute Gründe. Romney scheint das gleichgültig zu sein. Aber was bedeutet schon ein nur nach Monaten zählender Aufschub, wenn der mit keinem völkerrechtlichen Argument zu rechtfertigende Krieg offensichtlich beschlossene Sache ist - ganz gleichgültig, wer im Oval Office sitzt?

Barack Obama kann als Präsident seine Beteuerungen mit einem gemeinsamen Militärmanöver unterstreichen. Der Herausforderer muss seinen Nachteil mit einigen Schmeicheleien über die Vitalität der israelischen Kultur und »den dramatischen und starken Unterschied in der wirtschaftlichen Dynamik« zu der Palästinas ausgleichen. Dies ist nicht nur eine weitere Unverschämtheit gegenüber den Palästinensern und beweist die Ignoranz über die Auswirkungen der israelischen Besatzung. Sie ist auch Ausdruck des Rassismus, der den Palästinensern vergleichbare Fähigkeiten aberkennt.

In Wahlzeiten pflegen die Politiker die Trennung ihres Geredes von der Lüge weitgehend zu vergessen. In derzeitigen Wahlkampf ist allerdings das Maß der Verantwortungslosigkeit größer als das Ausmaß ihrer Unwahrheit. Die Vereinigten Geheimdienste in den USA haben wiederholt Entwarnung über die Atompläne Irans gegeben: es gebe keine Indizien für die Entscheidung der iranischen Führung, waffenfähiges Uran herzustellen. Auch die Internationale Atomorganisation hat keine verlässlichen Beweise. Noch 2003 genügten die Erfindungen der Geheimdienste, den Überfall auf Irak zu begründen. Um jetzt die Politik durch einen neuen Krieg zu ersetzen, werden die Geheimdienste nicht gebraucht, für den Frieden taugen sie offensichtlich nicht. Und die westlichen Standardmedien haben seit dem Libyen-Krieg wieder Gefallen an den Möglichkeiten des Militärs gefunden und begleiten die Geschehnisse bestenfalls gleichgültig.

In was für Zeiten leben wir eigentlich, wenn sich Wahlkämpfer von der Ankündigung eines Krieges mehr Stimmen versprechen als vom Bekenntnis zu Frieden?

2 Kommentare

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  • Ani-metaber / 06. Aug 2012 14:20

    Spiel mit den Zeiten oder in welchen "wir" leben ?

    In einer Zeit, wo kriegerische Gewalt weiterhin für hoffähig erklärt wird, gerade weil dadurch von den notwendigen Veränderungen abgelenkt werden soll, die Gewalt erzeugen und daselbst darstellen.
    Die schwierigen Umgestaltungen, wie sie etwa auch in den USA erforderlich wären, können so aus der öffentlichen Debatte rausgedrängt und auf die Lange Bank geschoben werden.
    Dort fallen sie bekanntlich am Ende runter.

    Die Masche sich blind gegenüber dem Zionismus und seinen Folgen zu stellen, dafür aber vorzugeben, wie betroffen man vom `Holocaust´ sei, erscheint auch in der BRD ein probates Mittel, geläutertes Verhalten und entsprechende Taten für und in der Gegenwart an den Tag zu legen.

    Aber was heißt schon "wir" - in China, Kamerun und Südchile hat man ohnehin andere Sorgen, als diese um "Israel", und andere von den Dringlichkeiten der Zeit.
    Und dieser Welt zeigt dieses „Israel“ auch sein bekanntes Gesicht, das man in der BRD stets mit einem neuen „Opfer-Make-Up“ versehen will, so etwa bei Einreiseverboten gegenüber Diplomaten, die sich vielleicht gerade deshalb für die Aufnahme eines Palästinenserstaates in der Generalversammlung der UN-Einsetzen werden,

    „Palestinian summit scrapped after Israel bars envoys' entry to West Bank“

    „Ministers representing states of the Non-Aligned Movement were set to discuss renewed efforts to attain Palestinian statehood with PA officials“

    www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/palestinian-summit-scrapped-after-israel-bars-envoys-entry-to-west-bank-1.456122

  • guenter1952 / 07. Aug 2012 08:08

    Ja, es sieht so aus, als ob der Iran-Krieg beschlossene Sache

    ist. Und für diesen Krieg gibt es viele Gründe, ebenso für die schon seit Jahren laufende Propaganda und Vorbereitung.
    Und der Gipfel hier in Deutschland ist doch, sehr geehrter Norman Paech, das sich prominente Parteigenossen ihrer eigenen Partei an der Kriegsvorbereitung beteiligen. Ja, Politiker der Linken sind dabei.
    .
    Z.B. Petra Pau:
    Zitat:
    .In absehbarer Zeit droht die Islamische Republik Iran über Atombomben zu verfügen.... ...Das Ziel, die islamische Revolution weltweit zu verbreiten, der Besitz von Langstreckenraketen und die weltweite Förderung und Aufrüstung islamistischer Kräfte wie der Hisbollah machen das iranische Atomprogramm zu einer globalen Bedrohung..... ...Um die iranische Bombe zu stoppen, muss das Regime gezielt politisch und wirtschaftlich unter Druck gesetzt werden.... ...Wer mit dem unberechenbaren iranischen Regime Geschäfte macht, unterstützt die Unterdrückung der iranischen Bevölkerung, den internationalen Terrorismus und die atomare Aufrüstung des Iran, die antisemitische Hetze und die Leugnung des Holocaust.... .... Wir fordern von der Bundesregierung: den Erlass von unilateralen Sanktionen, die solche Geschäfte (mit dem Iran d.V.) unterbinden, die Forcierung wirksamer und umfassender Sanktionen auf EU- und UN-Ebene...." Unterschrift: Petra Pau. Alle Zitate aus "Stop the Bomb".
    .
    Und ebenso Hr.Gysi der sich an die Rednertribüne im Bundestag stellt und dort, vor dem deutschen Bundestag, äussert: " Ich glaube auch, das der Iran an der Entwicklung der Atombombe arbeitet....."
    Die Aussagen des von prominenten Linken geförderten BAK Shalom zum Thema brauche ich ja wohl nicht wiederzugeben.
    .
    Ja, was sollen da die Mitglieder der Linken sich noch gegen die Kriegsgelüste von USA und Israel engagieren?
    Das, was Sie schreiben, Hr.Paech, ist alles richtig, aber das sollten Sie zunächst einmal ihren eigenen führenden Parteigenossen um die Ohren hauen.

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