04.08.2012
OLLIS OLYMPIA

Dopingfragen

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Oliver Händler ist nd-Sportredakteur und berichtet aus London von den Olympischen Spielen.

Wird von Langzeitfolgen des Dopings gesprochen, sind meist gesundheitliche Schäden für den Doper gemeint. Dass Langzeitfolgen auch vermutlich Unbeteiligte treffen, zeigt sich an der chinesischen Schwimmerin Yi Shiwen. Die 16-Jährige verbesserte über 400 Meter Lagen den Weltrekord um gut eine Sekunde, ihre eigene Bestzeit um vier. Seitdem überschütten Briten und vor allem US-Amerikaner sie mehr oder minder direkt mit Dopingverdächtigungen - weil in der Vergangenheit öfters Chinesen positiv aufgefallen waren.

Direkt nach dem Rennen fragte BBC-Reporterin Clare Balding gleichsam rhetorisch wie suggestiv: »Wie viele Fragen werden nun gestellt über jemanden, der plötzlich so viel schneller schwimmt?« US-Trainer John Leonard wurde noch deutlicher: »Ich bin schon länger dabei, und das erinnert mich sehr an die DDR-Schwimmerinnen. Sie sieht aus wie Superwoman, und immer, wenn jemand in unserem Sport so ausgesehn hat, kam später heraus, dass sie gedopt war.« Für Leonard ist scheinbar alles klar, für alle anderen wird zumindest offensichtlich, wie Leonard tickt: Er war sauer, dass seine Schwimmerin Elizabeth Beisel gerade von Yi geschlagen worden war. Vielleicht auch sauer, weil China den Amerikanern endgültig den Rang der Sportnation Nummer eins abläuft. Schon in Peking hatten die USA weniger Gold, aber noch zehn Medaillen mehr als China gesammelt.

Dass die Briten beim China-Schelten mitmachen, hat auch einen Beigeschmack: Zwei Tage nach Yi schwamm die Litauerin Rūta Meilutytė mit utopischer Verbesserung zu Gold über 100 Meter Brust. Unbequeme Fragen? Keine. Nur Jubel - denn die 15-Jährige trainiert seit zwei Jahren in England. Man schrieb lieber von einer »halb britischen Goldmedaille«.

Dabei erkennt man auch bei der Litauerin das kindliche Alter nur noch im Gesicht. Das ist bei Schwimmerinnen nun mal so. Nur die Chinesinnen zu verdächtigen, ist nicht die feine englische Art.

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