Von Martin Ling
07.08.2012

Clinton auf Werbesafari in Afrika

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Hillary Clinton will Boden gutmachen. Auch wenn die USA-Außenministerin bei ihrer elftägigen Afrika-Reise das Wort China meidet, sitzt Peking gewissermaßen immer mit am Tisch, wenn sich Clinton mit afrikanischen Präsidenten und Ministerpräsidenten trifft. Gleich zum Auftakt in Senegal riet sie den Afrikanern, verlässliche Partnerschaften »mit verantwortungsbewussten Staaten« zu suchen. Washington setze sich für Demokratie und Menschenrechte ein, »auch wenn es einfacher und profitabler wäre wegzuschauen«, sagte Clinton. Für andere Länder wäre Afrika »nur eine unerschöpfbare Quelle materieller Werte«. Klar, wem diese Kritik galt: Peking. Die Sorgen in Washington, an Einfluss zu verlieren, sind berechtigt: Schließlich hat der asiatische Riese die USA als wichtigster Handelspartner des afrikanischen Kontinents abgelöst und zudem baut Peking seit Jahren seinen Einfluss mit reichlich Entwicklungshilfe Zug um Zug aus - ohne ungeliebte Bedingungen zu stellen.

Dass die USA ein tragfähiges Konzept haben, in Afrika wieder an Terrain zu gewinnen, ist jedoch zu bezweifeln. Die von Präsident Barack Obama im Juni vorgestellte Strategie für die Entwicklung Afrikas enthält nicht mehr als Allgemeinplätze: Stärkung der demokratischen Institutionen, Förderung von Wachstum und Investitionen, Förderung von Entwicklung ... Doch wenn es konkret wird, halten die USA an ihren Interessen fest: zum Beispiel an den Subventionen für ihre Baumwollfarmer, die mit ihren Dumping-Exporten unter anderem den afrikanischen Produzenten das Wasser abgraben. Diese Praxis wurde bereits 2004 durch einen Schiedsspruch der Welthandelsorganisation verurteilt und eine schnelle Reform gefordert. Die blieb aus. Verlässliche Partner hat Afrika nicht. Da ist es logisch, dass China als neuer »Partner« willkommen ist. Das erhöht zumindest die Auswahl.

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