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Von Peter Sonntag
08.08.2012

Extrem unsportlich

Innenministerium diskutiert über »Demokratieerklärung« bei Sportförderung

Wir wollen keine Gesinnungsschnüffelei, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister. Bei uns gibt es keine Versäumnisse, sagt die Landesregierung. Vergesst nicht den Linksextremismus, heißt es aus dem Bundesinnenministerium, wo man über eine Extremistenklausel für die Sportförderung diskutiert.
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Kein Fußbreit den Faschisten! Auch nicht im Leistungssport

Im Bundesinnenministerium wird über die Einführung einer »Demokratieerklärung« in der Sportförderung diskutiert. Darin könnten politische Grundhaltungen abgefragt werden. Nach einem Bericht der »Leipziger Volkszeitung« will das Ministerium, das auch für den Sport zuständig ist, seine Förderrichtlinien ändern. Es gehe in den Debatten um eine turnusmäßige Überprüfung und gegebenenfalls eine Anpassung der Sportförderrichtlinien, sagte ein Sprecher auf nd-Anfrage. Ob und wie die Demokratieerklärung überhaupt eingeführt werde, sei noch unklar. Mit dem Fall der Ruderin Nadja Drygalla habe das nichts zu tun, betonte der Sprecher.

Der beschäftigte gestern die rot-schwarze Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns. Die Sportlerin hatte wegen ihrer Beziehung zum ehemaligen NPD-Funktionär und Kameradschafter Michael Fischer das Olympische Dorf vorzeitig verlassen. In der Kabinettssitzung ging es darum, wer was und wann wusste. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) wies Vorwürfe zurück, er habe Informationen zurückgehalten. Das Innenministerium wusste seit 2011 von der Beziehung Drygallas, die ihre Ausbildung im Polizeidienst deswegen abbrechen musste. Die Sportverbände seien stets im Bilde gewesen, sagte Caffier. Der Landessportbund hatte Kommunikationsfehler eingestanden, da der Deutsche Olympische Sportbund nichts wusste.

Eine Konsequenz aus der Beratung ist die Forderung der Landesregierung nach klaren Richtlinien von Sport und Politik an deutsche Olympiateilnehmer. »Und wir sind der Meinung, dass eine Beziehung allein nicht reicht, sondern dass es auf den Menschen selbst ankommt, was er getan hat«, sagte Regierungschef Erwin Sellering (SPD). Caffier lehnte eine stärkere Überprüfung von Spitzensportlern und ihrem Umfeld als »Gesinnungsschnüffelei« ab.

Drygalla hatte sich - nachdem ihre Beziehung den Weg in die Schlagzeilen gefunden hatte - von rechtsextremem Gedankengut distanziert. Aber sowohl daran als auch am Szeneausstieg ihres Partners werden immer wieder Zweifel laut. Der Journalist und Rechtsextremismusexperte Frank Jansen sagte dem Nachrichtensender N24: »Wer weiß, wie Neonazis ticken, dem ist bewusst, dass Neonazis durch und durch autoritär strukturierte Personen sind, die abweichende politische Meinungen in ihrem direkten Umfeld nicht dulden. Insofern ist es sehr zweifelhaft, dass Frau Drygalla tatsächlich so komplett anderer Auffassung war oder ist als ihr Freund.«

8 Kommentare

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  • Malxetaler / 07. Aug 2012 20:15

    Sport und Extremismus

    Eigentlich ist es eine Fortsetzung der Diskussion zu der Meinungsäußerung von Frau Pau zu der Rostocker Ruderin. Frau Pau meint den Rechtsextremismus, für den Herrn Friedrich ist die Gefahr von links noch größer.
    Und die allgemeine Stimmung in Deutschland, die wird ja in den Wahlen deutlich, sonst wäre der Herr Friedrich ja nicht Minister, nimmt die deutlichen Unterschiede auch kaum wahr.
    Beim Kampf gegen "Rechts" sollten deshalb immer konkrete Fakten statt Vermutungen und vorschnelle Stellungnahmen im Vordergrund stehen.

  • Kurpfaelzer / 07. Aug 2012 20:31

    Kein Fußbreit den Faschisten !

    Das Foto und die Unterschrift finde ich schon stark. Origineller Einfall.

    Den Artikel finde ich dagegen eher mittelmäßig im Vergleich zu anderen Medien die darüber berichten und auch schärfere Formulierungen und Zitate bringen.

    Was soll denn diese "Rechtskurve", die dieser sog. Experte für Rechtsextremismus am Ende des Artikels fliegt ?

    Nach dem Motto: "Irgendwas wird schon dran sein". P.P. läßt grüßen !

    In einem Rechtsstaat -diesmal meine ich den juristischen- ist jede/r solange unschuldig bis das Gegenteil bewiesen ist und da liegt nichts auf dem Tisch !

    ...und die Gedanken sind frei. Das gilt es auch gegen "linke" Eiferer zu verteidigen !

  • P.Ritter / 07. Aug 2012 21:08

    Ehrenkodex

    Im Ehrenkodex des Landessportbundes MV heißt es: "Wir unterstützen als Sportorganisation eine systematische und offensive Auseinandersetzung mit Extremismus, insbesondere Rechtsextremismus..." Stellt sich die Frage, ob und wie das erfolgt/e. Dies durch die Verantwortlichen im Sport und im Sportministerium im Vorfeld der Spiele ernst genommen, hätte manche Debatte erspart. Wenn Ministerpräsident Sellering jetzt Regelungen fordert, kennt er Vorhandenes offenbar nicht! Um wenn Sportminister Caffier meint, er hätte sich nichts vorzuwerfen, stellt sich die Frage, wie ernst er seine Funktion als für den Sport zuständigen Minister nimmt. An diese beiden und an die Sportfunktionäre sind die Kritiken zu richten. Auch weil sie alle ihre Ausreden auf dem Rücken der Sportlerin abladen.

  • Kurpfaelzer / 08. Aug 2012 12:49

    Re: Ehrenkodex

    Was hätte denn der Ministerpräsident oder sein Innenminister denn bittschön tun sollen ? Den moralischen Zeigefinger heben ? Warum ? Wer mit wem zusammen ist, ist reine Privatsache ! Solange sich die betreffende Sportlerin korrekt verhält und sich auch nicht im rechtsextremen Spektrum betätigt, gibt es keinen Grund einzugreifen. Die Privatsphäre ist durch unser Grundgesetz geschützt. Wir brauchen keine Polit-Kommissare oder scheinheilige Oberpfaffen wie den nach London gereisten EKD-Präses, der jetzt auch seinen Senf dazu gab. Ich würde mich massiv wehren wenn mein Arbeitgeber aufgrund meiner linken Überzeugung versuchen würde Druck auf mich auszuüben. Leider lassen sich die Menschen in unserem Lande durch Politiker und Arbeitgeber da noch viel zu viel gefallen. Linke Politik muss m.E. andere Maßstäbe setzen und nicht versuchen Stichworte für Gesinnungsschnüffelei zu geben. Das fällt über früher oder später zudem auf die Stichwortgeber(innen) zurück wie wir gerade erleben.

  • Rene-Tenz / 08. Aug 2012 13:06

    Re: Ehrenkodex

    Werter @P.Ritter,

    Danke für ihren informativen Kommentar.Ich sehe das genau so.Aber auch die Sportgemeinschaften brauchen bei ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit sinnvolle Unterstützung.@Eton hat dazu bereits einiges gesagt.

    MfG Rene-Tenz

  • Ani-metaber / 08. Aug 2012 13:23

    Re: Ehrenkodex

    Mir kommt in den Sinn,
    man/frau könnte auf die Idee kommen, sich die „Ehrenkodexe“ von ADAC, ADFC, der verschiedenen Hundezüchter- und Kleingärtnerverbände näher anzuschauen, wenn die denn vorhanden sind.

    Aber bei ihren verantwortungsvollen Tätigkeiten werden sie sicherlich Unterstützung erhalten können.

    Gibt es eigentlich noch Vereine ohne "Ehrenkodex" und wie ist es mit dem Verband der Deutschen Industrie und dem Bauernverband ?

    Und auch die Mitgliedschaft in einer "Interessensgemeinschaft gegen Fluglärm" sollte nun doch etwas aufmerksamer betrachtet werden,

    auch wenn das dann doch eher den Fluglärmerzeugern dienen könnte.

  • Rene-Tenz / 08. Aug 2012 13:59

    Re: Re: Ehrenkodex

    Werter @Ani-Metaber,

    Mir würde es schon etwas ausmachen wenn mein Kind vom Training im Sportverein mit dem Baseballschläger nach hause kommt und unterwegs "ein paar Zecken aufmischt".
    Ich würde mich schon Fragen,ob er seine Ausbildung im Schiesssport nicht dazu nutzt um zielsicher auf sagen wir mal Nachbars Hund zu ballern.

    Ich habe von Ihnen schon durchdachtere Kommentare gelesen.Haben Sie Kinder?

    MfG Rene-Tenz

  • Ani-metaber / 08. Aug 2012 14:05

    Re: Re: Re: Ehrenkodex

    Ob mit oder ohne Kind, der Apfel soll bekanntlich nicht weit vom Stamm fallen,
    und Eltern sollten sich schon ein Bild darüber machen, wo sie ihre Kinder hinschicken,
    da wird ein "Ehrenkodex" als Faltblatt oder als abrufbares Webangebot nicht alles klären können,
    aber es gibt auch Leute, die fordern Helmpflicht für Fußgänger,
    wegen der "Sicherheit".

    ansonsten sind auf der Habenseite "Enkel" zu verzeichnen

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