Von Caroline M. Buck
09.08.2012

Alles Hokuspokus - oder was?

»Red Lights« von Rodrigo Cortés

Vielleicht hätte sie doch wieder bei Ridley Scott vorsprechen sollen - dieser Film jedenfalls wird in Sigourney Weavers Filmografie sicher bald zu denen gehören, die in das schwarze Loch der Auswahlklammer fallen. Für Ridley Scott hat sie einst den Raumschiffsoffizier Ripley gespielt, der sich der außerirdischen Gefahr entgegenstellt und schließlich selbst von ihr kontaminiert wird - sein neuer Weltraumfilm, »Prometheus«, ist ein Tanz um eine ripley-förmige Lücke. Statt in einem Klassiker des Außerwelts-Genres für Scott spielt Weaver nun Dr. Margaret Matheson für Rodrigo Cortéz, eine hyperrationale Wissenschaftlerin auf einem Feldzug gegen das Übersinnliche. Oder was sich so übersinnlich nennt.

Margaret Matheson entlarvt alle und jeden, sie kennt jeden Trick, den je einer erdachte, um andere hinters übersinnliche Licht zu führen. Nur an einem hat sie sich die Zähne ausgebissen und sich von ihm vor laufender Fensehkamera vorführen lassen: Simon Silver. Den blinden Parapsychologen und Quacksalber, angeblichen Hellseher und Geistheiler spielt Robert De Niro - die silbrige Löwenmähne zum Namen, die kann er vorweisen. Und macht ansonsten doch eher den Eindruck, als schlafwandelte er durch einen Film, dessen Drehbuch ein Mann mit De Niros Karriere im Rücken nun eigentlich kaum ernst nehmen konnte. Auch wenn es ihm gegen Ende noch einmal Gelegenheit bietet, wie ein verwundeter Löwe zu brüllen und seine enorme Präsenz zur Schau zu stellen.

Weiterhin gibt es da den Wissenschaftler (Toby Jones), der gerne der erste wäre, der die Palette wissenschaftlicher Forschungsbereiche um paranormale Phänomene erweiterte. Die Studentin (Elizabeth Olsen), die sich in Mathesons Assistenten verguckt. Den Assistenten selbst, gespielt von Cillian Murphy mit seinen überirdisch hohen Backenknochen und durchdringend blauen Augen, der, wie sich herausstellen wird, Mathesons Sätze nicht nur deshalb für sie zu Ende bringen kann, weil er seine Chefin so gut kennt. Es gibt die Assistentin von Silver (Joely Richardson), die ihren Chef nach außen abschirmt. Und es gibt die Gläubigen, die in Scharen zu Silvers Auftritten pilgern, um ihn sagen zu hören, dass doch noch Aussicht auf Heilung besteht, auch da, wo die Ärzte alle Hoffnung fahren ließen.

Für seinen vorigen Film sperrte Cortéz seine Hauptfigur, einen in Irak gekidnappten Nordamerikaner, mit dem Handy in einen Sarg und filmte die emotionale Schiffsschaukel zwischen grabestiefer Verzweiflung und Hoffnung auf Rettung in letzter Sekunde: »Buried - Lebendig begraben« machte einen haarsträubend klaustrophobischen Thriller aus einer Situation, die keinen Handlungsspielraum ließ. »Red Lights« nun (nach den roten Warnleuchten, die die Tricksereien ihrer Zielpersonen bei Matheson auslösen), beginnt mit einer vielversprechenden Konstellation - die clevere, mit allen Wassern gewaschene Zynikerin, die jedes Phänomen erklären kann, und ihr Assistent, der sie verehrt, weil er noch lange nicht ihr Niveau erreicht hat. Und endet mit einer späten Enthüllung, die dem Film, den man bisher zu sehen glaubte, jeden Boden unter den Füßen wegreißt. Leider doch alles Hokuspokus, am Ende.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken