Lena Tietgen
10.08.2012
Bildungsrauschen

G 8, G 9 oder ganz anders?

Man streitet über G 8 und G 9, dabei wollen viele User grundlegende Änderungen. (s. Artikel) Auf www.taz.de verteidigt der Bildungsforscher Horst Weishaupt das G 8, weil sich »die Leistungen in Mathematik und Fremdsprachen im 13. Schuljahr nicht mehr bedeutsam gesteigert« hätten. (bit.ly/McegfB)

Doch wauz meint: »Dieser fröhliche ›Experte‹ übersieht völlig, dass in unsrer neuen, schönen Bundesrepublik das ganze System ›Gymnasium‹ in die Krise geraten ist. Tatsächlich macht es da keinen großen Unterschied, ob man G 8 oder G 9 besucht - die Schulform an sich ist nur noch unbrauchbar. Das ganze Schulsystem gehört überdacht.« Jörg Krauß findet: »Für sich betrachtet mag G 8 durchaus Sinn machen. Ich kann dem nur ein Recht auf kreative Pausen im Leben entgegenhalten. Und die sollten selbstbestimmt zu gestalten sein und nicht bürokratisch verordnet.«

In seinem Kommentar auf www.sueddeutsche.de ruft der Journalist Johann Oselin zum »Entdecken der Langsamkeit« auf und fordert die »Verwandlung der Schulen in Lebensräume«. Das G 8 hätte einen Diät- statt Lehrplan« nach sich gezogen. (bit.ly/Ozon04) Allerdings fragt Pnca: »Diätplan? Ein gängiger Irrtum wird hier kultiviert. Es ist nicht die Verkürzung von G 9 auf G 8, sondern die Ausgestaltung des Lehrplans und die Leistungsanforderungen, die das G 8 zum Problem macht. Im ersten Schritt haben die Behörden einfach den Stoff des G 9 in das G8 gestopft. Jetzt ist systematische Entschlackung und Mut zur Lücke gefordert. Entscheidend ist die Erkenntnis, weniger auf Wissensvermittlung und mehr auf Wissensbewertung und Wissensbeschaffung Wert zu legen. Für die Universitäten ist es viel wichtiger, dass Schüler das Lernen lernen, und dazu gehört die unabhängige Informationsbeschaffung.«

alexkj37 protestiert: »Lehrpläne sollten weiter reduziert werden und sich auf das Wesentliche konzentrieren: Sprachen, Mathematik, Physik, Sport und ein Fach Allgemeinbildung. Wir brauchen im internationalen Vergleich jüngere Absolventen, um Ihnen die Chance und die Zeit zu geben, in einer hochspezialisierten Arbeitswelt nach dem Studium genügend Berufserfahrung und i.d.R. eine Zusatzqualifikation zu erwerben.«

Irlandfriend vermutet: »Ehe ›Schule als Lebensraum‹ eingeführt wird, geht ein Kamel durch ein Nadelöhr. Das ganze System ist nicht mehr der Realität entsprechend. Es wird in immer kürzerer Zeit Wissen eingebläut - Bildung haben Schüler schon lange nicht mehr. Im Unterschied zum Wissen habe habe ich nicht nur reine Zahlen im Kopf, sondern kann auch die Bedeutung hinter einer Jahreszahl erklären. M.E. müsste das System an sich reformiert werden. Es ist nicht hilfreich, die Schüler mit Druck durch 8 Jahre zu pauken und im Studium geht es weiter.«

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