10.08.2012
Meine Sicht

Kummerlos Kind sein

Nissrine Messaoudi will den Leistungsdruck verzögern

Mit fünf Jahren in die Schule, mit 17 schon das Turbo-Abi in der Tasche und mit 20 Jahren einen Bachelorabschluss an der Uni. Heutzutage kann es nicht schnell genug gehen Kinder und junge Erwachsene in die Welt des Leistungsdrucks zu entlassen. Je jünger, so scheint es, desto besser wirtschaftlich verwertbar. Die Früheinschulung, an der Berlin festhält, ist dabei das erste Instrument, das den kostbaren Zustand des kummerlosen Kindseins beschneidet.

Das Argument, die frühe Einschulung komme vor allem sozial benachteiligten Kindern zugute, ist nicht haltbar. Schließlich können die Knirpse in der Kita ebenfalls spielerisch lernen und gefördert werden. Dafür sind allerdings - und das ist das eigentliche Problem - mehr Erzieher nötig.

Das gilt auch für die flexible Schulanfangsphase. Zwar hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) zum Schulanfang über 1100 Lehrer eingestellt. Wenn man jedoch den hohen Krankenstand und die in Pension gehenden Pädagogen zusammenrechnet, ist das noch lange nicht genug. Mit Personalmangel kann man Kinder jedenfalls nicht individuell fördern, weder in der Kita noch in der Schule.

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