Von Thomas Lipinski, SID
10.08.2012

Müde in der Badewanne

Angela Maurer schwimmt über zehn Kilometer um elf Sekunden an Bronze vorbei

Der Traum von einer Olympiamedaille im »Schwanensee« war gerade geplatzt, doch Angela Maurer lachte schon wieder. »Ich habe es wirklich genossen, hier zu schwimmen«, sagte die zweimalige Freiwasser-Weltmeisterin nach ihrem letzten olympischen Rennen im Serpentine Lake im Londoner Hyde Park.

Von Enttäuschung keine Spur, selbst die Strapazen der zehn Kilometer waren ihr kaum anzusehen. Vor Zehntausenden Zuschauern hatten der 37-jährigen Angela Maurer am Ende die Kräfte und elf Sekunden zu Bronze gefehlt. »Die Stimmung war schön. Ich habe ein gutes Rennen gemacht und bin sehr glücklich«, sagte die Mainzerin, die bei der olympischen Freiwasserpremiere vor vier Jahren in Peking als Vierte Edelmetall noch knapper verpasst hatte.

Bis kurz vor Schluss hatte sich Maurer, im Training am Vortag noch von einem Schwan attackiert, in der fünfköpfigen Spitzengruppe gehalten. Im Schlussspurt »ging es nicht mehr schneller«. Olympiasiegerin wurde überraschend die Ungarin Eva Risztov vor Haley Anderson (USA) und der WM-Zweiten Martina Grimaldi (Italien). Die Weltmeisterin und Topfavoritin Keri-Anne Payne aus Großbritannien blieb trotz der lautstarken Anfeuerung in ihrer »Badewanne« als Vierte medaillenlos.

Die Idylle bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen in der »grünen Lunge« Londons trog. Offiziell zwischen 19,8 und 20,5 Grad kühl war das Wasser auf dem 1,667 Kilometer langen Rundkurs. »Die Kälte macht einen müde«, sagte Maurer. Sauber war es im nur zwei Meter tiefen See auch nicht. »Viel Entenkacke« hatte Maurer schon beim Training entdeckt. Allerdings sind die Freiwasserschwimmer Schlimmeres gewohnt: tote Fische, große Quallen oder Holzpaletten mit Nägeln.

Maurer hielt zunächst den unmittelbaren Kontakt zur Spitze, doch zur Halbzeit hatte sie als Neunte bereits sieben Sekunden Rückstand. Ab Kilometer fünf verschärfte die spätere Siegerin Risztov das Tempo und zog das Feld auseinander, doch Maurer holte auf. Mit vier Sekunden Rückstand ging sie in die letzte Runde, erreichte die Medaillenränge jedoch nicht mehr - elf Sekunden fehlten.

Nach je zwei WM- und EM-Titeln und 16 internationalen Medaillen neigt sich ihre Karriere dem Ende entgegen. »Ich schaue in meinem Alter nur noch von Jahr zu Jahr.« Die EM im italienischen Piombino (12. bis 16. September) könnte der letzte Höhepunkt sein.

Nun ist heute Rekordweltmeister Thomas Lurz aus Würzburg die letzte Hoffnung des Deutschen Schwimm-Verbandes auf eine Medaille in London. Der Olympiasieg ist für den 32-jährigen zehnmaligen Weltmeister der letzte Titel, der ihm noch fehlt.

Werbung in eigener Sache

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken