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Von Simon Poelchau
14.08.2012

SolarWorld in den roten Zahlen

170 Millionen Euro Verlust beim Bonner Modulhersteller

SolarWorld sieht den Schuldigen für seine Verluste in der Konkurrenz aus China und will Arbeitsplätze abbauen.

Die deutsche Solarenergiebranche gerät immer tiefer in die Krise. Jetzt gab der Solarmodulhersteller SolarWorld, der lange Zeit als positive Ausnahme in der Branche galt, rote Zahlen für das erste Halbjahr 2012 bekannt. Unterm Strich wies das Unternehmen einen Konzernverlust von rund 159 Millionen Euro aus. 2011 hatte SolarWorld im gleichen Zeitraum noch einen Gewinn von über 22 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Unternehmen erwartet deswegen für das gesamte Geschäftsjahr 2012 ein negatives Ergebnis.

In den letzten Monaten mussten viele deutsche Unternehmen aus der Solarindustrie, wie Solon und Q-Cells, bereits Insolvenz anmelden. Überproduktion und ein harter Konkurrenzkampf machen diesen Firmen stark zu schaffen. Hinzu kommen Einkürzungen bei der Förderung von Solarenergie durch die Bundesregierung.

Wegen den Verlusten will SolarWorld weitere Arbeitsplätze einsparen. Medienberichten zufolge sollen bis Ende dieses Jahres 300 von aktuell rund 2600 Stellen wegfallen. Bereits im vergangenen Jahr mussten 500 Menschen das Unternehmen verlassen.

Als Hauptgrund für die Verluste macht SolarWorld den Preiskampf in der Photovoltaikbranche aus. »40 Prozent Preisverfall in einem halben Jahr, das steckt kein Unternehmen so schnell weg«, sagte Unternehmenschef Frank Asbeck der Nachrichtenagentur dpa. So stürzte der Umsatz von SolarWorld trotz Absatzsteigerung um über ein Drittel auf 340 Millionen Euro ab.

China als Sündenbock für die Verluste

Für Unternehmenschef Asbeck sitzen die Schuldigen für die Misere in China. Dort werde die Konkurrenz vom Staat unterstützt. »Die niedrigen Preise am Markt orientieren sich nicht an den Produktionskosten, sondern daran, wer sie sich - mit staatlicher Hilfe - länger leisten kann«, so Asbeck.

Gemeinsam mit über 20 anderen europäischen Unternehmen aus der Photovoltaikbranche strebt SolarWorld deswegen eine Antidumpingklage gegen China auf EU-Ebene an. SolarWorld hat in den USA bereits mit einer vergleichbaren Initiative Strafzölle gegen chinesische Produkte durchgesetzt. In der deutschen Solarbranche sind solche Maßnahmen allerdings umstritten. Viele Photovoltaikunternehmen in Deutschland pflegen enge Kontakte mit chinesischen Partnern.

Schon vor wenige Wochen war SolarWorld gezwungen gewesen, seine Finanzierung umzustellen. So halbierten sich in den letzten sechs Monaten die langfristigen Schulden von SolarWorld auf etwa 555 Millionen Euro. Dafür stiegen die kurzfristigen Schulden im selben Zeitraum von 120 Millionen Euro auf 530 Millionen. Das Unternehmen muss sich also in immer kürzeren Abständen Geld leihen. Gelingt ihm das nicht, droht SolarWorld eine Insolvenz.

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