Von Anna Maldini, Rom
14.08.2012

Gedenkstätte für Mussolini-Minister

Italienische Gemeinde weihte Wallfahrtsort für Neofaschisten zur Ehrung des Kriegsverbrechers Rodolfo Graziani ein

In einem kleinen Ort nahe Rom wurde am Samstag eine Gedenkstätte für Mussolinis Kriegsminister eingeweiht. Finanziert wurde es von der Regionalregierung, die von einer ultrarechten Koalition gestellt wird.

»Das ist so, als würde in Deutschland in irgendeinem gottverlassenen Örtchen ein Denkmal für Göring oder Hesse aufgestellt werden«, sagt Esterino Montino, Fraktionsvorsitzender der Demokratischen Partei im Regionalparlament von Lazium, der Region rund um die italienische Hauptstadt Rom. Er kann es einfach nicht fassen, dass in der Gemeinde Affile östlich der Hauptstadt Italiens eine Gedenkstätte für den Kriegsverbrecher Rodolfo Graziani errichtet und dann mit dem Bürgermeister, Regionalpolitikern und einem Monsignore an der Spitze feierlich eingeweiht wurde.

Graziani gehört zu den grausamsten Kriegsverbrechern des italienischen Faschismus. In der der Diktatur Benito Mussolinis massakrierte er in Libyen und Äthiopien unzählige Einheimische, um das Gebiet dem »faschistischen Reich« einzuverleiben und Italien zu einer Kolonialmacht zu machen. Er baute Konzentrationslager und benutzte mehrmals Giftgas gegen die Zivilbevölkerung. 1944 schloss er sich der Mussolini-Republik von Salò an und wurde sogar zum Kriegsminister ernannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Graziani von den Vereinten Nationen zum Kriegsverbrecher erklärt und 1948 in Italien zu 19 Jahren Haft verurteilt, von denen er allerdings infolge einer Amnestie nur zwei absitzen musste. Auch danach blieb er seiner faschistischen Überzeugung treu - Reue hat er bis zu seinem Tod 1955 nie gezeigt.

Diesem Mann hat Affile jetzt im Stadtpark eine Gedenkstätte gewidmet - einen hässlichen Backsteinbau mit dem Schriftzug »Patria - Onore« (Vaterland - Ehre) über der Tür. Das Geld dafür, 130 000 Euro, kommt von der Region, die es allerdings für die Instandsetzung des Parks und ein Soldatendenkmal zur Verfügung gestellt hatte. Als jetzt bekannt wurde, wofür die öffentlichen Gelder tatsächlich verwendet wurden, wurde Protest laut - nicht jedoch von der derzeitigen Regionalregierung, die von der Neofaschistin Renata Polverini angeführt wird und einen Minister zur Einweihung entsandt hatte.

Ercole Viri, der Bürgermeister des Örtchens von der Berlusconi-Partei, ist stolz auf den Bau und hofft, dass sich Affile jetzt zu einem faschistischen Wallfahrtsort im Lazium entwickelt. Sein Vorbild ist Predappio, der Geburtsort von Mussolini in der Emilia Romagna. »Ich war selbst mehrmals in Predappio am Grab von Mussolini. Das Städtchen ist voll mit nostalgischen Souvenirläden. Ich habe dort auch Schlüsselanhänger und T-Shirts gekauft, die ich verschenkt habe«, schwärmte Viri.

»Es ist eine Schande«, kommentierte dagegen Vito Francesco Polcaro, Vorsitzender des Partisanenverbandes ANPI in Rom, die Ehrung Grazianis. »Dies ist eine Beleidigung für das gesamte demokratische Italien. Graziani war ein blutrünstiger Kriegsverbrecher und eine Schmach für unser Land, das sich dann Dank des Heldentums der Partisanen von der faschistischen Diktatur befreien konnte«, echauffierte sich Polcaro.