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Von Karin Leukefeld, Damaskus
14.08.2012

Dominanz der Kriegsindustrie

In Syrien boomt das Geschäft mit Söldnern, Waffen und auch der humanitären Hilfe

Auf der einen Seite die Armee, auf der anderen die Kämpfer der Freien Syrischen Armee, Al Qaida und andere Dschihadisten (Heilige Krieger), dazu immer mehr einschlägig geschulte Kriegsreporter - sie alle sorgen für eine wachsende Kriegsindustrie in Syrien, während Sanktionen Europas und der USA der zivilen Ökonomie schweren Schaden zufügen.

Bis zu einer vierstelligen Dollarsumme soll der Tagessold für die Kämpfer betragen, die Kriegserfahrungen aus Afghanistan, Irak oder Libyen mitbringen und diese nun in Syrien einbringen. Desertierte Soldaten der syrischen Armee, die sich den Aufständischen freiwillig oder gezwungenermaßen angeschlossen haben, erhalten Reporterberichten zufolge bis zu 3500 Syrische Pfund am Tag, umgerechnet sind das etwa 50 Dollar, 30 Prozent eines monatlichen Mindestlohns in Syrien. Adressaten sind vor allem arbeitslose junge Männer, die im zivilen Sektor keine Arbeit mehr finden. Halten sie einmal Waffen in der Hand, werden sie diese ungern wieder hergeben, wie Beispiele vieler Kriege zeigen. »Der Westen, die Türkei und die Golfmonarchien haben ihre Investitionen in Syrien gestoppt, die viele Arbeitsplätze geschaffen hatten und unser Land entwickeln und aufbauen sollten. Nun finanzieren sie eine Kriegsindustrie, die unser Land zerstört«, sagt ein Gesprächspartner in Damaskus.

Den größten Profit dürften Waffenhändler in den Nachbarländern Jordanien, Libanon, Irak und Türkei machen, die von der Schleuder über Pistolen bis hin zu Panzerabwehrraketen alles liefern. Unternehmen die früher zivile Güter durch die Region beförderten, können heute Geld mit dem Transport bzw. Schmuggel von Kämpfern, Waffen, Flüchtlingen und Verletzten machen. Hoteliers und Gastronomie, Hausbesitzer und Lebensmittelhändler verdienen an der Unterkunft und Versorgung der Aufständischen, ihrer Familien und der sie begleitenden ausländischen Medien. Anbieter von Kommunikationstechnologie und nicht zu vergessen die vielen Übersetzer und Fremdenführer können sich für ihre Dienste bei fremden Geheimdiensten und Sendern eine goldene Nase verdienen.

Eine katarisch-saudische Preisliste legt zum Beispiel fest, womit Überläufer je nach Rang und dem, was sie an Informationen oder Material mitbringen, entlohnt werden. Den bisherigen Hauptgewinn dürfte ein Pilot der syrischen Luftwaffe eingefangen haben, der sich mitsamt seinem Kampfjet nach Jordanien absetzte. Eine weitere Liste soll angeblich die Preise für die Entführung oder Ermordung von Mitarbeitern staatlicher syrischer Institutionen sowie einzelner Politiker und Journalisten enthalten. Ähnliches wurde zuletzt aus Irak bekannt, wo infolge der US-geführten Invasion Gewalt und Kriminalität beträchtlich zunahmen. Gezielt waren irakische Piloten und Militärs ebenso wie Professoren, Ärzte und Journalisten getötet worden.

Auch das »Geschäft mit der Hilfe« boomt in Syrien und um Syrien herum. Dutzende Hilfsorganisationen aus aller Welt haben Mitarbeiter zu den syrischen Flüchtlingen in Jordanien, im Norden Libanons, in die Türkei oder nach Irak entsandt. Großbritannien, Frankreich und Deutschland stellen Millionen Euro zur Verfügung, um »humanitäre Hilfe« zu leisten.

Deutschlands Entwicklungsminister Dirk Niebel sagte am Montag der jordanischen Regierung weitere zehn Millionen Euro zu. Davon entfallen 8,5 Millionen Euro auf Soforthilfen zur Trinkwasserversorgung im Norden des Landes. Mit 1,5 Millionen Euro wird das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen bei der Gesundheitsversorgung im Land unterstützt. Syrien selbst beliefert das wasserarme Jordanien jährlich mit acht Millionen Kubikmeter Wasser. Bis Anfang 2011 hatte die Bundesregierung mit der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit bei der Modernisierung des syrischen Wassersektors Hilfe geleistet.

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