Tom Strohschneider 17.08.2012 / Geschichte

Später Sprung über den politischen Schatten

Als SED und SPD den Dialog durch die Mauer probten: Vor 25 Jahren erschien der "Streit der Ideologien"

Vor 25 Jahren kamen sich SED und SPD näher. Der "Streit der Ideologien" machte Hoffnung auf Erneuerung in der DDR - und verschaffte dabei dem "neuen deutschland" einen großen Verkaufserfolg

Wer am Morgen des 28. August 1987 eine Ausgabe des »Neuen Deutschland« in die Hand bekommen wollte, musste ziemlich zeitig aufgestanden sein. Schon gegen 9 Uhr war die Zeitung vielerorts »restlos ausverkauft«, wie Franz Walter einmal schrieb. Der Göttinger Parteienforscher fand dies »verblüffend«, weil das »dröge Verlautbarungsorgan der Parteibürokratie« sonst kaum auf derart große Nachfrage stieß. »Die Zeitung mit einer Auflage von knapp einer Million Exemplaren war im Nu vergriffen«, erinnerte sich auch der DDR-Politikwissenschaftler Rolf Reißig. »Viele Interessierte liehen sich die Zeitungen aus oder fertigten Kopien an.«Was die Leute an die Kioske trieb, waren natürlich nicht Überschriften über den Stand der Ernte oder gesellschaftlich besonders engagierte Lehrer. Das »nd« vom 28. August 1987 war deshalb besonders, weil es eine kleine Revolution enthielt, dem nur zwei Jahre später eine große folgen sollte. Das Zentralorgan der Einheitspartei machte mit einem Dokument auf, das Vertreter von SED und SPD gemeinsam formuliert hatten: »Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit«. Pressekonferenzen in Berlin und Bonn Tags zuvor war das Dialog-Papier auf zwei Pressekonferenzen der Öffentlichkeit präsentiert worden – in Bonn vom eben schon genannten Reißig und dem SPD-Politiker Erhard Eppler, in Berlin vom Rektor der Akademie für Gesellschaftswissenschaften, Otto Reinhold, und Thomas Meyer von der Grundwerte-Kommission der Sozialdemokraten. Es ging um nichts Geringeres als die Annäherung zweier Parteien aus zwei gesellschaftlichen Systemen und um den Willen zur friedlichen Koexistenz in Zeiten des Kalten Krieges. Genauso aber war es der Versuch der SPD, als Oppositionspartei in der Außenpolitik aktiv zu bleiben, und ebenso ein zaghaftes Signal von Kreisen in der SED, zu Schritten der Selbsterneuerung bereit zu sein.

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