20.08.2012

»Schließlich müssen wir auch Zivilisten schützen«

Eloi Yao: Ein Abzug der afrikanischen Soldaten ist 2013 unwahrscheinlich

Die afrikanische Friedenstruppe African Union Mission to Somalia (AMISOM) versucht im Auftrag der UNO seit dem 1. März 2007 zur Stabilisierung der Lage in Somalia beizutragen. Mit ihrem kenianischen Sprecher Eloi Yao sprach für »nd« Markus Schönherr.

nd: Was würden Sie die größten Erfolge der AMISOM-Mission nennen, seit sie 2007 ins Leben gerufen wurde?
Osman: In den fünf Jahren ist es der Mission gelungen, die radikal-islamistische al-Shabaab-Miliz aus Mogadischu zu verdrängen. Das hat wiederum der Übergangsregierung geholfen, die volle Kontrolle über die Hauptstadt zurückzugewinnen. Erstmals seit 20 Jahren ist damit eine anerkannte, zentrale und legitime Regierung in Somalia an der Macht.

Ein Jahr nach der Befreiung Mogadischus wurde im Mai auch die Stadt Afgoye von der al Shabaab zurückerobert. Das ist ein großer Erfolg, aber weshalb erst so spät?
Es ging nicht früher, da wir erst den Frieden in Mogadischu festigen mussten. Außerdem gab es einen Mangel, sowohl an Truppen, als auch an der Ausrüstung. Als die UN-Resolution 2036 im Februar ein Hilfspaket genehmigt hat, entstand eine Dynamik. Und mit dieser konnten wir schließlich Afgoye befreien. Die vielen intern vertriebenen Menschen erforderten ebenfalls einige Vorbereitungen und diese brauchen ihre Zeit, aber schließlich müssen wir auch Zivilisten schützen.

Ist ein Abzug von AMISOM 2013 realistisch oder wird die Mission erneut verlängert?
Das Konzept der Afrikanischen Union und der UNO zielt darauf ab, Zentral- und Südsomalia zu befreien, die somalischen Behörden dabei zu unterstützen, ihre Einrichtungen aufzubauen und den politischen Prozess zu fördern, damit Ende August ein neues politisches Zeitalter anbrechen kann. Des Weiteren soll das somalische Militär bei einem Abzug für seine Aufgaben gewappnet sein. Bevor all das nicht erreicht ist, wird es auch keinen Abzug geben.

Sind die somalischen Streitkräfte bereits ausreichend trainiert, um den Kampf gegen Warlords und die radikalen Islamisten fortzusetzen?
Wir arbeiten noch daran. Der 20 Jahre andauernde Krieg hat die meisten Staatsinstitutionen geschwächt. Es ist unheimlich wichtig, jede einzelne wieder aufzubauen, um für Sicherheit zu sorgen, sobald AMISOM nicht mehr da ist. Die aktivsten Trainer sind derzeit die EU, die USA, Großbritannien, Japan und die Türkei.

Äthiopien und Kenia waren ursprünglich kein Mitglied der Afrikanischen Friedenstruppe für Somalia. Stufen Sie ihren Beitritt als Erfolg ein?
Äthiopien und Kenia teilen ihre Grenzen mit Somalia und haben durch die Konsequenzen des dortigen Konflikts mitgelitten. Zum Beispiel durch die vielen Flüchtlinge oder die vermehrten Attacken von Terroristen auch auf unseren Territorien. Äthiopiens und Kenias Unterstützung ist lobenswert und erfolgreich, denn sie arbeiten besonders eng mit der Übergangsregierung und anderen AMISOM-Kräften zusammen. Das symbolisiert, dass sie eine gemeinsame Auffassung von der Bedrohung haben und dass nur gute Zusammenarbeit sie verringern wird.

Was ist Ihre Meinung über die Kopfgelder, welche die USA vor Kurzem auf Mitglieder der al-Shabaab-Miliz ausgesetzt hat?
Dazu können wir als AMISOM nichts sagen. Das ist eine reine Angelegenheit der US-Regierung und auch nur diese kann eine Auskunft über ihre interne Strategie geben.

Wenn die regierungsinternen Wahlen Ende August tatsächlich stattfinden, wird der Übergang friedlich verlaufen oder bringt der Wandel eine neue Bedrohung für den Aussöhnungsprozess?
Der politische Fahrplan, der den Weg für die Wahlen bereitet, gehört den Somaliern und wird auch von Somaliern getragen. Alle politischen Akteure tragen ihren Teil dazu bei. Der Übergang wird friedlich verlaufen, denn die Akteure konnten ihre Differenzen durch einen Dialog beilegen. Wenn wir so auch weitermachen, sehe ich zwar Herausforderungen, aber keine Gefahr.

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