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Von Caroline M. Buck
20.08.2012

Das Ding muss weg

Dokumentarfilm über die Geschichte des Widerstands gegen das AKW Brokdorf

In ihrem Dokumentarfilm »Das Ding am Deich« zeigt Antje Hubert, dass auch der konservativste Bauer zum Wutbürger werden kann, wenn man ihm ein Atomkraftwerk vor die Tür setzt.

Gegen Bau und Inbetriebnahme des Atomkraftwerks Brokdorf an der unteren Elbe protestierten zwischen 1976 und 1986 Zehntausende Atomkraftgegner, vor allem aber viele direkt betroffene Anwohner. Ein halbes Jahr nach Tschernobyl ging Brokdorf trotzdem ans Netz.

Der ehemalige Bürgermeister von Brokdorf schwärmt immer noch von Arbeitsplätzen, den Bauern hielt man vor, sie wollten doch schließlich nicht wieder mit der Hand melken - und verschenkte Blumensträuße und Tannenbäume. Manche ließen sich blenden (und sind’s auch heute noch zufrieden), die anderen politisierten sich. Und lernten ihren Rechtsstaat von einer Seite kennen, die sie nicht für möglich gehalten hätten. Die Politik versprach das eine - und tat das andere. Die Gemeinden teilten sich in Befürworter und Gegner. Die Gegner versuchten sich in friedlichem Protest, die Befürworter waren rabiater, zumindest verbal. Bei der Erinnerung an manche Lynchparolen kommen den Attackierten noch heute die Tränen.

Keiner von ihnen hätte sich vor 1976 träumen lassen, dass zwischen den Fotos im Familienalbum neben den Bildern der Kinder vor dem Tannenbaum auch mal Bilder vom gemeinsamen Demonstrieren kleben würden. Es sind nüchterne, bodenständige Menschen, verwachsen mit ihrer Landschaft, keine geborenen Revolutionäre, die Antje Hubert für ihren Film interviewte. Landwirt, Hotelfachfrau, Handwerker, Milchbauer. Wenn da in den Alben nicht diese Bilder wären, die Kommode voller Kästen mit Flugblättern, die handbeschrifteten Bettlaken - und vor der Tür die Silhouette des AKW.

Die Bürgerinitiative habe sie zehn Jahre ihres Lebens gekostet, und dann sei das Ding doch an’s Netz gegangen - eine persönliche Niederlage, sagt eine Architektin, deren Mann (Milchbauer auch er) lieber den relativen Erfolg sehen möchte, das allmähliche Umdenken, zu dem ihr Einsatz beitrug.

Der Bürgermeister von Wewelsfleth zeigt die Jodtabletten vor, die er im Ernstfall an die Bevölkerung verteilen soll, bevor er deren Abtransport organsiert - die Kontaminierten hierhin, die Unkontaminierten dorthin. Wenn er das mit ungläubigem Kopfschütteln erzählt, ist man noch keine fünf Minuten im Film. Und die Jodtabletten helfen ohnehin nur, wenn man sie vor dem Ernstfall nimmt.

»Das Ding am Deich« ist ein Film, wie man ihn so ähnlich auch über die Stuttgarter Bahnhofsbaugegner drehen könnte - nur dass vom neuen Bahnhof keine potenzielle Lebensgefahr ausgeht. Der Bürgermeister von Wewelsfleth, verlor seine Frau durch Krebs, der Pastor ebenso. Die erhöhte Krebsrate erklärte man ihm dann mit gestiegener Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen. Mit leiser Stimme stellt er fest: »Damit kann man sich, denke ich, nicht zufriedengeben.«

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