27.08.2012
Damaskus/Teheran

Rebellen werfen Assad Massaker vor

Angeblich geflohener Vizepräsident Syriens konferierte mit iranischem Politiker

Syrische Regierungsgegner werfen den Regierungstruppen erneut ein Massaker vor. Es soll nahe Daraja stattgefunden haben. Dagegen hat sich die Behauptung der Rebellen, der syrische Vizepräsident sei geflohen, offenbar als unwahr herausgestellt.

Damaskus/Teheran (AFP/nd). Nach hartnäckigen Gerüchten über einen Fluchtversuch ist der syrische Vizepräsident Faruk al-Schara erstmals seit mehr als einem Monat wieder öffentlich aufgetreten. Er zeigte sich am Sonntag vor einem Treffen mit dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses im iranischen Parlament, Alaeddin Borudscherdi, in Damaskus. Seit Mitte Juli war Schara weder im Fernsehen noch in der Öffentlichkeit gesehen worden. Syrische Regierungsgegner sprachen von einem gescheiterten Fluchtversuch des Vizepräsidenten, was die Regierung um Präsident Baschar al-Assad jedoch zurückwies. Arabische Fernsehsender hatten ebenfalls über eine Flucht Scharas nach Jordanien berichtet. Dies wurde jedoch von der dortigen Regierung dementiert. Im Januar hatte die Arabische Liga vorgeschlagen, Schara in einer Übergangsphase das Land führen zu lassen.

Syriens Außenminister Walid Muallem sagte bei einem Treffen mit Borudscherdi in Damaskus am Sonntag laut der iranischen Nachrichtenagentur Irna, Assads Regierung werde erst in Verhandlungen mit der Opposition treten, wenn das Land vollständig von Rebellen »gesäubert« sei. Borudscherdi sagte Syrien die Unterstützung Irans zu. »Syriens Sicherheit ist unsere Sicherheit, deshalb werden wir zu unseren syrischen Brüdern halten«, wurde er zitiert.

Syriens Opposition wirft den Regierungstruppen erneut ein schweres Massaker vor. In Daraja nahe Damaskus seien am Sonnabend und Sonntag mindestens 320 Leichen gefunden worden, teilte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Opfer von Massenhinrichtungen seien verbrannt worden. In einem von der Opposition verbreiteten Video waren zahlreiche verkohlte Leichen zu sehen, die in einer Moschee entlang der Wände übereinander gelegt waren. Die Armee habe Daraja abgeriegelt und mit schweren Waffen beschossen, behauptete ein Oppositionssprecher. Syrische Medien berichteten dagegen, die Armee habe Daraja »von Terroristen gesäubert«.