Marcus Meier 01.09.2012 / Kolumnen
Climate Engineering

Droht ein globales Experiment mit unabsehbaren Folgen?

Riesenspiegel im Weltall oder gigantische Gartenschläuche sollen den Klimawandel stoppen

Menschliche Aktivitäten behindern die Wärmeabstrahlung der Erde. Treibhauseffekt? Globale Erwärmung? Lassen wir halt weniger Sonnenstrahlen rein, sagen die Befürworter von »Climate Engineering«. Doch wie würde der Planet auf derartige Großexperimente reagieren? Wahrscheinlich anders als Ingenieure es vorab berechnen.

Riesige Sonnenspiegel im Weltall, Aerosole in der Stratosphäre oder von hunderten Schiffen gezogene Propeller, die Salzwasser aufwirbeln und so Wolken verdichten: Sollen wir den menschgemachten Klimawandel konterkarieren, indem wir das Erdklima künstlich abkühlen, und zwar mit groß dimensionierten technischen Maßnahmen? Sollen, können wir das Weltklima gezielt manipulieren, indem wir die Strahlungsbilanz der Erde ändern? Was vor wenigen Jahren noch wie reine Science Fiction und ein wenig spinnert klang, wird heute ernsthaft erforscht: So gab Schavans Bundesforschungsministerium 2011 mehre Studien zum Thema »Climate Engineering« (CE) in Auftrag. Die EU lässt seit fünf Jahren zu diesem Thema forschen. Und auch der Weltklimarat IPCC setzte sich damit auseinander. Dabei klingen die Ideen oft sagenhaft. Der Geowissenschaftler Ken Caldeira beispielsweise will mit Ballons oder einem Zeppelin einen riesigen Gartenschlauch in die Stratosphäre transportieren. Drunten bliebe eine Pumpe, die Schwefelpartikel durch den Schlauch in die luftige Höhe jagt. 20 Kilometer nach oben.Dort würden sie das Sonnenlicht reflektieren und »so in kürzester Zeit die komplette Erderwärmung der letzten hundert Jahre neutralisieren«, sagt Caldeira. Der 20.000-Meter-Schlauch sei die praktikabelste Methode, beteuert der Forscher. Doch ohne Schlauch gehts notfalls auch: Alternativ, so Caldeira, könnten die Schwefelpartikel regelmäßig von 50 Flugzeugen aus ausgestreut werden. Was ist Climate-Engineering?
Climate Engineering ist laut Definition des Kiel Earth Institute »ein Sammelbegriff für großskalige technische Eingriffe in das Klimasystem der Erde«. Mittlerweile fast deckungsgleich verwendet wird der Begriff Geo-Engineering, worunter allerdings auch ganz andere Phänomene fallen: So werden insbesondere die sowjetischen Versuche, ganze Flüsse umzuleiten, um so die mittelasiatischen Steppen urbar zu machen, unter Geo-Engineering gefasst. Ab den 1970er-Jahren fand Geo-Engineering Einzug in die Klima-Debatte: Erstmals wurden da die Injektion von Kohlenstoff in die Weltmeere (Ziel: die Aufnahmefähigkeit für Kohlendioxid erhöhen) oder die Ausbringung von Schwefelpartikeln in der Stratosphäre vorgeschlagen. Anfang der 1990er-Jahre warb der Ozeanograf John Martin dafür, Weltmeere mit Eisen zu düngen, so das Algenwachstum zu forcieren und zwar mit dem Ziel, Kohlendioxid besser zu binden.

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