Von Roland Etzel
01.09.2012

Massenflucht in Syrien

UNO: 2,5 Millionen Menschen brauchen Hilfe

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die syrische Regierung nach einem Treffen mit dem syrischen Regierungschef Wael al-Halki am Freitag in Teheran aufgefordert, den Einsatz schwerer Waffen in dem Konflikt zu stoppen. Unterdessen wächst die Zahl der Flüchtlinge.
Die in der vergangenen Woche von beiden syrischen Konfliktparteien bekräftigte Entschlossenheit, jegliche Verhandlungen mit der Gegenseite auszuschließen, hat die Hoffnung der Syrer auf ein baldiges Ende der Kampfhandlungen in weite Ferne gerückt. Eine erste unmittelbare Folge davon ist, dass die Flüchtlingszahlen ansteigen. Der stellvertretende UN-Generalsekretär Jan Eliasson sprach am Donnerstag im Weltsicherheitsrat in New York von inzwischen 2,5 Millionen Menschen in Syrien, die auf Hilfe der internationalen Gemeinschaft angewiesen seien, wie dpa berichtet. Damit habe sich diese Zahl in den vergangenen fünf Monaten verdoppelt. Wie der frühere schwedische Außenminister weiter mitteilte, sei etwa die Hälfte der Flüchtlinge in Syrien in öffentlichen Gebäuden wie Lehreinrichtungen und Sportstätten, aber auch Moscheen untergebracht; mehr als eine Million Menschen seien bei Verwandten untergekommen. Gemessen daran ist die Zahl der Auslandsflüchtlinge gering. UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres spricht von 229 000 Personen. Allerdings machte der ehemalige portugiesische Ministerpräsident auch deutlich, dass diese Zahlen wenig belastbar seien. Es handele sich hier lediglich um die in Syriens Nachbarstaaten Jordanien, Libanon und Türkei offiziell registrierten Flüchtlinge. Für mindestens doppelt so hoch hält er die Dunkelziffer.

Unklar ist auch, welche Fluchtgründe überwiegen. Die einen fliehen, weil ihr Lebensbereich unmittelbar von Kampfhandlungen betroffen ist; andere, um staatlicher Verfolgung - aus welchen Gründen auch immer - zu entgehen. Guterres will diese Gruppen aber nicht getrennt gezählt wissen. »Flüchtling zu werden, ist für viele die einzige Möglichkeit zu überleben«, so der UN-Repräsentant.

Deutschland hat von diesem Samstag an für einen Monat den Vorsitz im UN-Sicherheitsrat inne. Botschafter Peter Wittig, der diese Funktion ausübt, äußerte bei der Übernahme seine Verärgerung über die Haltung Chinas und Russlands in der Syrien-Frage. Weil beide Staaten eine einseitige Schuldzuweisung an Damaskus für den Bürgerkrieg nicht unterschreiben, dies aber Kernaussage aller von westlichen Ländern vorgelegten Syrien-Entwürfe - auch der deutschen - im Sicherheitsrat war, kam dort bisher keine wirksame Resolution zur Eindämmung des Krieges zustande. Wittig erklärte dazu laut dpa: »Wir sind zur Untätigkeit verdammt worden.« Dies ist wohl so zu deuten, dass auch während seines Vorsitzes von westlicher Seite kein Eingehen etwa auf russische Vorschläge zu erwarten ist.