Von Wilfried Neiße
06.09.2012
Brandenburg

Treffer trotz schlechter Sicht

Die Luftfahrtschau ILA beflügelt die Region, zeigt aber zu einem Drittel Kriegsgerät

Eine Nachricht, über die sich die US-amerikanischen Luftstreitkräfte zweifellos freuen werden: Eine Firma in Wildau hat ein Ortungssystem entwickelt, das auch bei schlechtem Wetter eine präzise Zielzuweisung und »klare Bilder« ermöglicht.

Dieses zweifelhafte Glanzlicht märkischen Erfindertums wird präsentiert, wenn in wenigen Tagen die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) auf dem neu hergerichteten Ausstellungsgelände in Selchow bei Schönefeld eröffnet wird. Das teilte gestern Steffen Kammradt mit. Er ist Sprecher der Geschäftsführung der Zukunftsagentur Brandenburg.

Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (LINKE) informierte Kammradt gestern über die ILA, die am 11. September beginnt und wieder zu einem Drittel der Zurschaustellung von Kriegsgerät vorbehalten ist. Damit habe sich der militärische Anteil der ILA nicht vergrößert, ließ Minister Christoffers wissen. Er halte es für »normal«, dass Menschen gegen die Ausstellung dieser Rüstungsgüter seien. Doch: »Die ILA gibt es nur als Gesamtpaket.« Deshalb werden auch militärische und zivile Flugvorführungen stattfinden. Bei der militärischen Komponente handele es sich zweifellos um einen Besuchermagnet.

Sowohl der Landesvorstand als auch die Landtagsfraktion der Linkspartei haben sich in der Vergangenheit und auch in der Gegenwart deutlich von der militärischen Komponente der ILA distanziert. Der Landesvorstand fasste kürzlich einen Beschluss, in dem er zu Protesten gegen den militärischen Teil der ILA aufruft.

Die mehrmalige Verschiebung des Termins für die Inbetriebnahme des künftigen Hauptstadtflughafens »Willy Brandt« in Schönefeld hat nach Aussage von Christoffers auf die ILA genauso wenig eine negative Auswirkung gehabt wie auch die Tatsache, dass die aktuelle ILA eigentlich vor dem Hintergrund eines schon angelaufenen Großflughafens geplant gewesen ist. Dennoch liege in der Entwicklung beim Flughafenbau ein Imageschaden für die Region, »den niemand kleinreden will«. An der überwältigenden Resonanz für die ILA habe das jedoch nichts geändert und Absagen aus den Kreis der Aussteller aus diesem Grunde habe es auch keine gegeben. Bislang haben sich rund 1200 Aussteller aus 45 Nationen angemeldet. Das sei ein Rekord, hieß es.

Kammradt zufolge sind fünf große Luft- und Raumfahrtunternehmen in Berlin-Brandenburg ansässig, eine solche Dichte finde sich nirgends. Mit 120 einschlägigen Unternehmen und ihren insgesamt rund 6000 Beschäftigten gilt Brandenburg als drittgrößter deutscher Standort in der Branche. Laut Wirtschaftsminister ist mit der diesjährigen Luft- und Raumfahrtmesse auf nagelneuem Gelände ein volkswirtschaftlicher Effekt von 360 Millionen Euro verbunden, Gastronomie und Hotellerie inbegriffen. Insofern seien die 27 Millionen Euro, die das Land Brandenburg auf dem Ausstellungsareal verbaut habe, gut angelegtes Geld. »Wir sind im Budget geblieben«, äußerte Christoffers in einer Zeit, in der öffentliche Projekte scheinbar rein gesetzmäßig und wie von Geisterhand um vieles teurer werden als eigentlich geplant.

Zusätzlich habe die Messe Berlin 16 Millionen Euro gestiftet und für die Errichtung von drei festen Messehallen ausgegeben. Von einer Konkurrenz zwischen Berlin und Brandenburg könne vor dem Hintergrund der gedeihlichen Zusammenarbeit bei der ILA keine Rede sein. Beide Länder hatten sich bei den Veranstaltern sehr dafür eingesetzt, dass diese Messe in Schönefeld bleibt.

Als Partnerland der diesjährigen ILA wurden Polen vorgestellt. Auf Nachfrage sagte Christoffers, dass der Bereich Luft- und Raumfahrt im Nachbarland an Bedeutung gewinnt und Gegenstand der Kooperation mit Deutschland ist.

Die Tatsache, dass Linksfraktionschef Christian Görke die Ablösung von Flughafenchef Rainer Schwarz nahegelegt hatte, »habe ich zur Kenntnis genommen«, kommentierte Christoffers frostig. Er ließ aber nicht erkennen, dass er in dieser Hinsicht wirksam werden wolle. Von der Aufsichtsratssitzung am Freitag verspreche er sich die Verkündung eines sicheren Eröffnungstermins. »Den brauchen wir.«