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Von Hans-Dieter Schütt
17.09.2012

Tanzen und schreien

Preis für »Pussy Riot«

Mut ist ein Lustorgan, es zeugt Mut: Das russische Magazin »Snob« hat das Punkgebet der vom Putin-Regime verurteilten Band »Pussy Riot« mit dem Preis als »Bestes Kunstprojekt des Jahres« ausgezeichnet. Russische und ausländische Kommentatoren bezeichnen dies als eine höchst ehrenwert provokante Form der Solidarität. Die Frauen hätten die Gefühle Gläubiger verletzt? Als seien die Gefühle Ungläubiger weniger wert.

Auf ihrer Homepage hat die österreichische Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek einen Text veröffentlicht, in dem sie die Frauen von »Pussy Riot« verteidigt: »Ein Gott schaufelt sich im Kommen den Platz frei, der er selber ist, in seiner eigenen Stille, aber seine Menschen dürfen, müssen auch laut sein dürfen, wenn und wann immer sie wollen.« In einer Kirche zu tanzen, »das gehört sich dort so, und sie haben wild getanzt, eine Art Veitstanz, eben wie es sich gehört, wenn in einem Staat, der auf dem Weg in die Totalität ist, Menschen sich etwas herausnehmen müssen, um gehört zu werden«. In Russland solle alles Sprechen, Singen, Schreien, Tanzen außerhalb der Propaganda »förmlich zerquetscht werden«, deswegen müsse Druck her, unablässiger Druck, »von Regierungskritikern im eigenen Land wie auch der von kritischen Beobachtern aus anderen Ländern. So, und da stehen wir also und schreien ebenfalls.«

»Das Ketzertum wird von keiner Mauer aufgehalten, denn es liegt in der Luft.« Sagte der russische Menschenrechtler Andrej Sacharow. Die Grünen im EU-Parlament nominierten die Punkband für den Preis für geistige Freiheit, der in Straßburg verliehen wird und Sacharows Namen trägt.

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